Ter Doktor Faust. 139
ihn beschwur, ward er ein Affe, erzählt das alte Buch, und da heißtes: „Der sprang auf und nieder, tanzte Gaillard und andere üppigeTänze, schlug bisweilen auf dem Hackebrett, pfiff auf der Querpfeife,blies auf der Trompete, als wären ihrer Hundert."
Ich kann hier, liebster Freund, der Versuchung nicht widerstehen,Ihnen zu erklären, was der Biograph des Nekromanten unter demNamen „Gaillardtanzcn" versteht. Ich finde nämlich in einem nochälteren Buche von Johann Prätorius, welches 1638 zu Leipzig ge-druckt ist und Nachrichten über den Blocksberg enthält, die merk-würdige Belehrung, daß obenerwähnter Tanz vom Teufel erfundenworden; der ehrbare Autor sagt dabei ausdrücklich:
„Von der neuen Gaillardischen Volta, einem welschen Tanze, woman einander an schamigen Orten fasset und wie ein getriebenerTopf hernmhaspclt und wirbelt, und welcher durch die Zauberer ansItalien nach Frankreich ist gebracht worden, mag man auch wohlsagen, daß zu dem, daß solcher Wirbeltanz voller schändlicher un-flätiger Gebärden und unzüchtiger Bewegungen ist, er auch das Un-glück auf sich trage, daß unzählig viel' Morde und Mißgeburtendaraus entstehen. Welches wahrlich bei einer wohlbestellten Polizeiist wahrzunehmen und aufs allerschttrfste zu verbieten. Und dieweildie Stadt Genf fürnehmlich das Tanzen hasset', so hat der Sataneine junge Tochter von Genf gelehret, alle die tanzend und springendzu machen, die sie mit einer eisernen Gerte oder Rute, welche derTeufel ihr gegeben gehabt, möchte berühren. Auch hat sie der Richtergespottet, und gesagt, sie werden sie nicht mögen umbringen; hatdeshalb der Übelthat nie keine Reue gehabt."
Sie sehen aus dieser Citation, liebster Freund, erstens, was dieGaillarde ist und zweitens, daß der Teufel die Tanzkunst aus demGrunde fordert, um den Frommen ein Ärgernis zu geben. Daß ergar die fromme Stadt Genf, das calvinistische Jerusalem, mit seinerZaubergerte zum Tanzen zwang, das war der Gipfel seiner Frevel-haftigkeit! Denken Sie sich alle diese kleinen Genfer Heiligen, allediese gottesfürchtigen Uhrmacher, alle diese Auserwählten des Herrn,alle diese tugendhaften Erzieherinnen, diese steifen, eckigen Prediger-und Schulmeisterfiguren, welche auf einmal die Gaillarde zu tanzenbeginnen! Die Geschichte muß währ sein, denn ich erinnere mich,sie auch in der Uusiuouomuniu des Bodinus gelesen zu haben, undich hätte nicht übel Lust, sie zu einem Ballette zu bearbeiten, betitelt:„Das tanzende Genf!"
Der Teufel ist ein großer Tanzkünstler, wie Sie sehen, und esdarf wahrlich niemanden wundern, wenn er in der Gestalt einerTänzerin sich einem verehrungswcrten Publike präsentiert. Eineminder natürliche, aber sehr tiefsinnige Metamorphose ist es, daß sichim älteren Fanstbnche der Mephistopheles in ein geflügeltes Roß