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8 (1898) Deutschland : 2
Entstehung
Seite
138
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138 Deutschland II.

mürrisch abgeurteilt, aber ich kann wirklich nicht Warte finden, ummeine ganze Bewunderung auszusprechen über die Art und Weise,wie die schöne Helena darin behandelt ist. Hier blieb Goethe auchdem Geiste der Sage getreu, was leider, wie ich schon bemerkt, soselten bei ihm der Fall, ein Tadel, den ich nicht oft genug wieder-holen kann. In dieser Beziehung hat sich am meisten der Teufelüber Goethe zu beklagen. Sein Mephistophcles hat nicht die mindesteinnere Verwandtschaft mit dem wahrenMephostophiles", wie ihndie älteren Volksbücher nennen. Auch hier bestärkt sich meine Ver-mutung, daß Goethe letztere nicht kannte, als er den ersten Teil desFaustcs schrieb. Er hätte sonst in keiner so säuisch spaßhaften, socynisch skurrilen Maske den Mephistopheles erscheinen lassen. Dieserist kein gewöhnlicher Höllenlump, er ist einsubtiler Geist", wie ersich selbst nennt, sehr vornehm und nobel und hochgestellt in derunterweltlichen Hierarchie, im höllischen Gouvernemente, wo er einerjener Staatsmänner ist, woraus man einen Reichskanzler machenkann. Ich verlieh ihm daher eine Gestalt, die seiner Würde ange-messen. Verwandelte sich doch der Teufel immer am liebsten in einschönes Frauenzimmer, und im älteren Faustbuche weiß auch Mephi-stophcles den armen Doktor in dieser Gestalt zu kirren, wenn denÄrmsten manchmal fromme Skrupel überschlichen. Das alte Faust-buch erzählt ganz naiv:

Wenn der Faust allein war und dem Wort Gottes nachdenkenwollte, schmücket sich der Teufel in Gestalt einer schönen Frauwcnfür ihn, hälfet ihn, und trieb mit ihm alle Unzucht, also daß er desgöttlichen Worts bald vergaß und in Wind schlug, und in seinembösen Fürhaben fortfuhr."

Indem ich den Teufel und seine Gesellen als Tänzerinnen erscheinen lasse, bin ich in der Tradition treuer geblieben, als Sie vermuten. Daß es zur Zeit des Doktor Faust schon Dorps äs öullslsvon Teufeln gegeben hat, ist keine Fiktion ihres Freundes, sonderneS ist eine Thatsache, die ich mit Stellen aus dem Leben deS ChristophWagner, welcher Fansts Schüler war, beweisen kann. In dem sech-zehnten Kapitel dieses alten Buches lesen wir, daß der arge Sünderein Gastgclnge in Wien gab, wo die Teufel in Frauenzimmergcstaltmil Saitenspielen die schönste und lieblichste Musik machten, undandere Teufelallerlei seltsame und unzüchtige Tänze tanzten". Auchin Affcngestalt tanzten sie bei dieser Gelegenheit, und da heißt es:Bald kamen zwölf Affen, die machten einen Reigen, tanzten französischeBallette, wie jetzt die Leute in Welschlaud, Frankreich und Deutsch-land zu thun Pflegen, sprungen und hüpften sehr wohl, daß sichmänmglich verwunderte." Der Teufel Auerhahn, der dem Wagnerals dienender Geist angehörte, zeigte sich gewöhnlich in der Gestalteines Affen. Er debütiert ganz eigentlich als Tanzaffe. Als Wagner