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8 (1898) Deutschland : 2
Entstehung
Seite
136
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136 Deutschland II.

ausstehen oder sie zu empfahen sich anmaßen, und geht zur Stüdehinaus. Als er wieder hineingeht, folgte ihm die Königin Helenaauf dem Fuße nach, so wunderschön, daß die Studenten nichtwußten, ob sie bei sich selbst wären oder nicht, so verwirrt und in-brünstig waren sie. Diese Helena erschien in einem köstlichenschwarzen Pnrpurkleid, ihr Haar hatte sie herabhangen, das so schönund herrlich als Goldfarbe schien, anch so lang, daß es ihr bis indie Knicbiegen hinabhing, mit schönen kohlschwarzen Augen, einlieblich Angesicht, mit einem runden Köpflein, ihre Lefzen rot wieKirschen, mit einem kleinen Mündlein, einen Hals wie ein weißerSchwan, rote Bäcklcin wie ein Röslein, ein überaus schön gleißendAngesicht, eine länglichte, aufgerichtete gerade Person. In Summa,es war an ihr kein Untädlein zu finden, sie sähe sich allenthalben inder Stube um, mit gar frechem und bübischem Gesicht, daß dieStudenten gegen sie in Liebe entzündet wurden; weil sie es aber füreinen Geist achteten, verginge ihnen solche Brunst leichtlich, und gingalso Helena mit v. Fausto wiederum zur Stube hinaus. Als dieStudenten solches alles gesehen, baten sie O. Faustum, er solle ihnensoviel zu Gefallen thun, und sie morgen wiederum sürstellcn, sowollten sie einen Maler mit sich bringen. Der sollte sie abkonter-feien, welches ihnen aber v. Fanstus abschlug und sagte, daß er ihrenGeist nicht allezeit erwecken könnte. Er wollte ihnen aber einKonterfei davon zukommen lassen, welches sie, die Studenten, ab-reißen lassen möchten, was dann auch geschah, und welches die Malerhernach weit hin und wieder schickten, denn es war eine sehr herrlicheGestalt eines Weibsbildes. Wer aber solches Gemälde dem Faustoabgerissen, hat man nicht erfahren können. Die Studenten aber,als sie zu Bett gekommen, haben wegen der Gestalt und Form, sosie sichtbarlich gesehen, nicht schlafen können. Hieraus ist dann zusehen, daß der Teufel oft die Menschen in Liebe entzündet nnd derblendet, daß man ins Hurenleben gerät, und hernach nicht leichtwieder herauszubringen ist."

Später heißt es in dem alten Buche:

Damit nun der elende Fanstus seines Fleisches Lüsten genugsamRaum gebe, fällt ihm um Mitternacht, als er erwachte, die Helenaaus Graecia, die er vormals den Studenten am weißen Sonntagerweckt hat, in den Sinn, derhalbcn er morgens seinen Geist an-mahnt, er sollte ihm die Helcnam darstellen, die seine Konkubine seinmöchte, was auch geschah, und diese Helena war ebenmäßiger Gestalt,wie er sie den Studenten erweckt hat, mit lieblichem und holdseligemAnblicke. Als nun O. Faustus solches sah, hat sie ihm sein Herzdermaßen gefangen, daß er mit ihr anfing zu buhlen und sie fürsein Schlafweib bei sich behielt, die er so lieb gewann, daß er schierkeinen Augenblick von ihr sein konnte, wurde also im letzten Jahre