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8 (1898) Deutschland : 2
Entstehung
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184 Deutschland H.

staate englischer Reiter die erstaunlichsten Reitkunststücke verrichten,angestaunt von den versammelten Roßkämmen, die mit hannoverischroten Gesichtern im Kreise umherstanden und vor Entzücken auf ihregelbledernen Hosen schlugen, daß es klatschte, wie ich noch nie beieiner dramatischen Vorstellung klatschen hörte. Maroth ritt aberwirklich allerliebst und war ein schlankes, hübsches Mädchen mit dengrößten schwarzen Augen der Hölle. Auch Faust war ein schmuckerBursche in seinem brillanten Reiterkostüme, und er ritt besser alsalle andern deutschen Doktoren, die ich jemals zu Pferde gesehen.Er jagte mit Maroth um die Schaubühne herum, Ivo man jetzt dieStadt Troja und auf den Zinnen derselben die schöne Helena erblickte.

Unendlich bedeutungsvoll ist die Erscheinung der schönen Helenain der Sage vom Doktor Faust. Sie charakterisiert zunächst dieEpoche, in welcher dieselbe entstanden und giebt uns wohl den ge-heimsten Aufschluß über die Sage selbst. Jenes ewig blühende Idealvon Anmut und Schönheit, jene Helena von Griechenland, die einesMorgens zu Wittenberg als Frau Doktorin Faust ihre Aufwartungmacht, ist eben Griechenland und das Helcneutum selbst, welchesplötzlich im Herzen Deutschlands emportancht, wie beschworen durchZaubersprüche. Das magische Buch aber, welches die stärksten jenerZaubersprüche enthielt, hieß Homeros, und dieses war der wahre,große Höllenzwang, welcher den Faust und so viele seiner Zeit-genossen köderte und verführte. Faust, sowohl der historische, als dersagenhafte, war einer jener Humanisten, welche das Griechentum,griechische Wissenschaft und Kunst, in Deutschland mit Enthusiasmen'verbreiteten. Der Sitz jener Propaganda war damals Rom, wo dievornehmsten Prälaten dem Kultus der alten Götter anhingen, undsogar der Papst, wie einst sein Reichsvorgänger Kvnstantinus, dasAmt eines Pontifex Maximus des Heidentums mit der Würde einesOberhauptes der christlichen Kirche kumulierte. Es war die sogenannteZeit der Wiederanferstehung oder, besser gesagt, der Wiedergeburt derantiken Weltanschauung, wie sie auch ganz richtig mit dem NamenRenaissance bezeichnet wird. In Italien konnte sie leichter zurBlüte und Herrschaft gelangen, als in Deutschland, wo ihr durchdie gleichzeitige neue Bibelübersetzung auch die Wiedergeburt desjudäischen Geistes, die wir die evangelische Renaissance nennenmöchten, so bilderstürmcnd fanatisch entgegentrat. Sonderbar! diebeiden großen Bücher der Menschheit, die sich vor einem Jahrtausendso feindlich befehdet und wie kampfmüde während dem ganzen Mittel-alter vom Schauplatz zurückgezogen hatten, der Homer und die Bibel,treten zu Anfang des sechzehnten Jahrhunderts wieder öffentlich indie Schranken. Wenn ich oben aussprach, daß die Revolte derrealistischen, sensnalistischen Lebenslust gegen die spiritnalistisch-alt-katholischc Askese, die eigentliche Idee der Faustsage ist, so will ich