132 Deutschland II.
winnt er durch den magischen Ring, der ihm die blühendste Jugend-gestalt, Schönheit und Anmut, auch die brillanteste Ritterkleiduugverleiht. Nach vielen durchschlcmmten und verluderten Jahren hater nvch ein Liebesverhältnis mit der Signvra Lukretia, der bcrühmtesten Cvurtisane Vvn Venedig; er verläßt sie aber verräterischund schifft nach Athen, wo sich die Tochter des Herzogs in ihn ver-liebt und ihn heiraten will. Die verzweifelnde Lukretia sucht Ratbei den Mächten der Unterwelt, um sich an dem Ungetreuen zurächen, und der Teufel vertraut ihr, daß alle Herrlichkeit dcS Faustmit dem Ringe schwinde, den er am Zeigefinger trage. SignoraLukretia reist nun in Pilgertracht nach Athen, und gelangt dort anden Hof, als eben Faust, hochzeitlich geschmückt, der schönen Herzvgs-tochtcr die Hand reichen will, um sie zum Altar zu führen. Aberder vermummte Pilger, das rachsüchtige Weib, reißt dem Bräutigamhastig den Ring vom Finger, und plötzlich verwandeln sich diejugendlichen Gesichtszüge des Faust in ein runzlichtes Greisenantlitzmit zahnlosem Munde; statt der goldenen Lockcnfülle umflattert nurnoch ein spärliches Silberhaar den armen Schädel; die funkelnde,purpurne Pracht fällt wie dürres Laub von dem gebückten, schlotte-rigen Leib, den jetzt nur schäbige Lumpen bedecken. Aber der ent-zauberte Zauberer merkt nicht, daß er sich solcherweise verändert odervielmehr, daß Körper und Kleider jetzt die wahre Zcrstörnis offen-baren, die sie seit zwanzig Jahren erlitten, während höllisches Blend-werk dieselbe unter erlogener Herrlichkeit den Augen der Menschenverbarg; er begreift nicht, warum das Hofgesinde mit Ekel von ihmzurückweicht, warum die Prinzessin ausruft: Schafft mir den altenBettler aus den Augen! Da hält ihm die vermummte Lukretiaschadenfroh einen Spiegel vor, er sieht darin mit Beschämung seinewirkliche Gestalt, und wird von der frechen Dienerschaft zur Thürhinausgetreten, wie ein räudiger Hund. —
Das andere Faust-Drama, dessen ich oben erwähnt, sah ich zurZ eit eines Pferdemarktes in einem hannoverischen Flecken. Auf freierWiese war ein kleines Theater aufgezimmert, und trotzdem, daß amhellen Tage gespielt ward, wirkte die Beschwörungs-Scene hinläng-lich schauervoll. Der Dämon, welcher erschien, nannte sich nichtMephistopheles, sondern Astaroth, ein Name, welcher ursprünglichvielleicht identisch ist mit dem Namen Astarte, obgleich letztere inden Geheimschriften der Magiker für die Gattin des Astaroth ge-halten wird. Diese Astarte wird in jenen Schriften dargestellt mitzwei Hörnern auf dem Haupte, die einen Halbmond bilden, wie siedenn wirklich einst in Phönizien als eine Mondgöttin verehrt unddeshalb von den Juden, gleich allen andern Gottheiten ihrer Nach-barn, für einen Teufel gehalten ward. König Salomon der Weisehat sie jedoch heimlich angebetet, und Byron hat in seinem Faust,