Druckschrift 
8 (1898) Deutschland : 2
Entstehung
Seite
131
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Der Doktor Faust. 131

Was half mir das Studium der Theologie?

Meine durchwachten Nächte, wer bezahlt mir die?

Keinen heilen Rock Hab' ich mehr am Leibe,

Und weiß vor Schulden nicht, wo ich bleibe.

Ich muß mich mit der Hölle verbünden,

Die verborgenen Tiefen der Natur zu ergründen,

Aber um die Geister zu eitleren,

Muß ich mich in der Magie informieren.

Die hierauf folgende Scene enthält hoch poetische und tief er-greifende Motive, die einer größeren Tragödie würdig wären, undauch wirklich großen dramatischen Dichtungen entlehnt sind. DieseDichtungen sind zunächst der Faust von Marlow, ein genialesMeisterwerk, dem augenscheinlich die Puppenspiele nicht bloß in Bezugauf den Inhalt, sondern auch in betreff der Form nachgeahmt sind.Marlows Faust mag auch andern englischen Dichtern seinerzeit beider Behandlung desselben Stoffes zum Vorbild gedient haben, undStellen aus solchen Stücken sind dann wieder in die Puppenspieleübergegangen. Solche englische Faustkomödien sind wahrscheinlichspäter ins Deutsche übersetzt und von den sogenannten englischenKomödianten gespielt worden, die auch schon die besten ShakespearcschcnWerke auf deutschen Brettern tragierten. Nur das Repertoire jenerenglischen Komödianten-Gesellschaft ist uns notdürftig überliefert; dieStücke selbst, die nie gedruckt wurden, sind jedoch verschollen underhielten sich vielleicht ans Winkeltheatern oder bei herumziehendenTruppen niedrigsten Ranges. So erinnere ich mich selbst, daß ichzweimal von solchen Kunstvagabnnden daS Leben des Fausts spielensah, und zwar nicht in der Bearbeitung neuerer Dichter, sondernwahrscheinlich nach Fragmenten alter, längst verschollener Schauspiele.Das erste dieser Stücke sah ich vor fünfundzwanzig Jahren in einemWinkcltheater auf dem sogenannten Hamburger Berge zwischen Ham-lmrg und Altona. Ich erinnere mich, die citierten Teufel erschienenalle tief vermummt in grauen Laken. Auf die Anrede Fausts:Seidihr Männer oder Weiber?" antworteten sie:Wir haben kein Ge-schlecht." Faust fragt ferner, wie sie eigentlich aussähen unter ihrergrauen Hülle, und sie erwidern:Wir haben keine Gestalt, die unseigen wäre, wir entlehnen nach deinem Belieben jede Gestalt, worindu uns zu erblicken wünschest; wir werden immer aussehen wiedeine Gedanken." Nach abgeschlossenem Vertrag, worin ihm Kennt-nis und Genuß aller Dinge versprochen wird, erkundigt sich Faustzunächst nach der Beschaffenheit des Himmels und der Hölle, undhierüber belehrt, bemerkt er, daß es im Himmel zu kühl und in derHölle zu heiß sein müsse; am leidlichsten sei das Klima wohl aufunserer lieben Erde. Die köstlichsten Frauen dieser lieben Erde ge-ll