Der Doktor Faust. 123
genießen braucht, um von jedem Leibesübel geheilt und von der unbündigsten Tanzlust ergriffen zu werden. Der Schützenkönig, welcherden Inhalt einer Phiole verschluckt, empfindet dessen Zaubermacht,er ergreift Mephistophela und hopst mit -ihr ein Uns cks ckoux. Auchauf den bejahrten Bürgermeister und seine Gattin übt der Trank seinebeinbewegende Wirkung, und beide huinpeln den alten Großvatertanz.
Während aber das sämtliche Publikum im tollsten Wirbel sichumherdreht, hat Faust sich der Bürgermeisterstochter genaht, und,bezaubert von ihrer reinen Natürlichkeit, Zucht und Schöne, erklärter ihr seine Liebe, und mit wehmütigen, fast schüchternen Gebärdennach der Kirche deutend, wirbt er um ihre Hand. Auch bei denEltern, die sich keuchend wieder auf ihre Bank niederlassen, wieder-holt er seine Werbung; jene sind mit dem Antrag zufrieden, undauch die naive Schöne giebt endlich ihre verschämte Zustimmung.Letztere und Faust werden jetzt mit Blumensträußen geschmückt, undtanzen als Braut und Bräutigam ihre sittsam bürgerlichen Hymenäcn.Der Doktor hat endlich im bescheiden süßen Stilllcben das Hausgliickgefunden, welches die Seele befriedigt. Vergessen sind die Zweifel unddie schwärmerischen Schmerzgcnnsse des Hochmutgeistes, und er strahltvor innerer Beseligung, wie der vergoldete Hahn eines Kirchturmes.
Es bildet sich der Brautzug mit hochzeitlichem Gepränge, undderselbe ist schon auf dem Wege zur Kirche, als Mephistophela plötz-lich mit hohnlachenden Gebärden vor den Bräutigam tritt, und ihnseinen idyllischen Gefühlen entreißt; sie scheint ihm zu befehlen, ihrunverzüglich von hinnen zu folgen. Faust widersetzt sich mit hervor-brechendem Zorn, und die Zuschauer sind bestürzt über diese Scene.Doch noch größerer Schrecken erfaßt sie, als plötzlich auf MephistophelasBeschwörung ein nächtliches Dunkel und das schrecklichste Gewitterhereinbricht. Sie fliehen angstvoll und flüchten sich in die nahe Kirche,wo eine Glocke zu läuten und eine Orgel zu rauschen beginnen, —ein frommes Gedröhne, welches mit dem blitzenden und donnerndenHöllenspektakel auf der Scene kontrastiert. Auch Faust hat sich wiedie andern in den Schoß der Kirche flüchten wollen, aber eine großeschwarze Hand, die aus dem Boden Hervorgriff, hat ihn zurückgehalten,während Mephistophela mit boshaft triumphierender Miene aus ihremMieder das Pergamentblatt hervorzieht, das der Doktor einst mitseinem Blute unterzeichnet hat: sie zeigt ihm, daß die Zeit des Kon-traktes verflossen sei und Leib und Seele jetzt der Hölle gehöre.Vergebens macht Faust allerlei Einwendungen, vergebens legt er sichzuletzt aufs Jammern und Bitten — das Teufelsweib nmtänzelt ihnmit allen Grimassen der Verhöhnung. Es öffnet sich der Boden,und es treten hervor die gräuelhaften Höllenfürsten, die gekröntenund zeptertragenden Ungetüme. In jubelnder Rvnde verspotten sieebenfalls den armen Doktor, den Mephistophela, die endlich sich in