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8 (1898) Deutschland : 2
Entstehung
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122
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122 Teutschland II.

Vierter Akt.

Eine Insel im Archipel. Ein Stück Meer, smaragdfarbig glänzend,ist links sichtbar und scheidet sich lieblich ab von dem Turkvisenblandes Himmels, dessen sonniges Tageslicht eine ideale Landschaft über-strahlt; Vegetation und Architekturen sind hier so griechisch schön,wie sie der Dichter der Odyssee einst geträumt. Pinien, Lorbeerbüschc,in deren Schatten weiße Bildwerke ruhen; große Marmorvasen mitfabelhaften Pflanzen ; die Bäume von Blumcnguirlandcn umwunden;krystallene Wasserfälle; zur rechten Seite der Scene ein Tempel derVenus Aphrodite, deren Statue aus den Säulengängen hervor-schimmert; und das alles belebt von blühenden Menschen, die Jüng-linge in weißen Festgewandcn, die Jungfrauen in leichtgeschürzterNymphentracht, ihre Häupter geschmückt mit Rosen oder Myrte», undteils in einzelnen Gruppen sich erlustigend, teils auch in eeremoniöscnReigen vor dem Tempel der Göttin mit dem Frcndcndicnste derselbenbeschäftigt. Alles atmet hier griechische Heiterkeit, ambrosischen Götterfrieden, klassische Ruhe. Nichts erinnert an ein neblichtes Jenseits,an mystische Wollust- und Angstschauer, an überirdische Ekstase einesGeistes, der sich von der Körperlichkeit emaneipicrt; hier ist allesreale plastische Seligkeit ohne retrospektive Wehmut, ohne ahnendeleere Sehnsucht. Die Königin dieser Insel ist Helena von Sparta,die schönste Frau der Poesie, und sie tanzt an der Spitze ihrer Hofmttgde vor dem Vennstcmpel; Tanz und Posituren im Einklang mitder Umgebung, gemessen, keusch und feierlich.

In diese Welt brechen plötzlich herein Faust und Mephistophela,auf ihren schwarzen Rossen durch die Lüfte herabfliegend. Sie sindwie befreit von einem düsteren Alpdruck, von einer schnöden Krankheit,von einem tristen Wahnsinn, und erquicken sich beide an diesem Aublick des Urschönen und des wahrhaft Edlen. Die Königin und ihrGefolge tanzen ihnen gastlich entgegen, bieten ahnen Speise und Trankin kostbar ciselierten Geräten, und laden sie ein, bei ihnen zu wohnenauf der stillen Insel des Glücks. Faust und seine Gefährtin antwortendurch freudige Tänze, und alle, einen Festzug bildend, begeben sichzuletzt nach dem Tempel der Venns, wo der Doktor und Mephistophelaihre mittelalterliche romantische Kleidung gegen einfach herrlichegriechische Gewänder vertauschen; in solcher Umwandlung wieder mitHelena auf die Vorderstem tretend, tragieren sie irgend einen mythologischen Dreitanz.

Faust und Helena lassen sich endlich nieder ans einen Thron zurrechten Seite der Scene, während Mephistophela, einen Thyrsus undeine Handtrommel ergreifend, als Bacchantin in den ausgelassenstenPosituren einherspringt. Die Jnngsranen der Helena erfaßt dasBeispiel dieser Lust, sie reißen die Rosen und Myrten von ihren