Der Doktor Faust. 123
Häuptern, winden Weinlaub in die entfesselten Locken, und mitflatternden Haaren und geschwungenen Thyrsen taumeln sie ebenfallsdahin als Bacchantinnen. Die Jünglinge bewaffnen sich alsbald mitSchild und Speer, vertreiben die göttlich rasenden Mädchen, undtanzen in Scheinkämpfen eine jener kriegerischen Pantomimen, welchevon den alten Autoren so wohlgefällig beschrieben sind.
In dieser heroischen Pastorale mag auch eine antike Humoreskeeingeschaltet werden, nämlich eine Schar Amoretten, die auf Schwänenherangeritten kommen, und mit Spießen und Bogen ebenfalls einenKampftanz beginnen. Dieses artige Spiel wird aber plötzlich gestört— die erschreckten Liebesbübchen werfen sich rasch auf ihre Reitschwäneund flattern von dannen bei der Ankunft der Herzogin, die aus einerungeheuren Fledermaus durch die Luft herbeigeflogcn kommt, undwie eine Furie vor den Thron tritt, wo Faust und Helena ruhigsitzen. Sie scheint jenem die wahnsinnigsten Vorwürfe zu macheuund diese zu bedrohen. Mephistophela, die den ganzen Auftritt mitSchadenfreude betrachtet, beginnt wieder ihren Bacchantentanz, demdie Jungfrauen der Helena sich ebenfalls wieder tanzend beigesellen,so daß diese Freudcnchöre mit dem Zorn der Herzogin gleichsam ver-höhnend kontrastieren. Letztere kann sich zuletzt vor Wut nicht mehrfassen, sie schwingt den Zauberstab, den sie in der Hand hält, undscheint diese Bewegung mit den entsetzlichsten Beschwörnngssprnchenzu begleiten. Alsbald verfinstert sich der Himmel; Blitz und Donner-schlag; das Meer flutet stürmisch empor, und auf der ganzen Inselgeschieht an Gegenständen und Personen die schauderhafteste Umwand-lung. Alles ist wie getroffen von Wetter und Tod; die Bäume stehenlaublos und verdorrt; der Tempel ist zu einer Ruine zusammen-gesunken; die Bildsäulen liegen gebrochen am Boden; die KöniginHelena sitzt als eine fast zun: Gerippe entfleischte Leiche in einemweißen Laken zur Seite des Faust; die tanzenden Frauenzimmersind ebenfalls nur noch knöcherne Gespenster, gehüllt in weiße Tücher,die, über den Kopf hängend, nur bis auf die dürren Lenden reichen,wie man die Launen darstellt, und in dieser Gestalt setzen sie ihreheiteren Tanzposituren und Ronden fort, als wäre gar nichts passiert,und sie scheinen die ganze Umwandlung durchaus nicht bemerkt zuhaben, Faust ist aber bei diesem Begebnis, wo all sein Glück zer-trümmert ward durch die Rache einer eifersüchtigen Hexe, aufs höchstegegen dieselbe erbost; er springt vom Thron herab mit gezogenemSchwerte, und bohrt eS in die Brust der Herzogin.
Mephistophela hat die beiden Zauberrappen wieder herbeigeführt,sie treibt den Faust angstvoll an, sich schnell aufzuschwingen, undreitet mit ihm davon durch die Luft. Das Meer brandet unterdessenimmer höher, es überschwemmt allmählich Menschen und Monumente,nur die tanzenden Launen scheinen nichts davon zu merken, und bei