Druckschrift 
8 (1898) Deutschland : 2
Entstehung
Seite
121
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Dcr Doktor Faust. 121

Karessen verfolgt. Er giebt ihr seinen Überdruß und Widerwillenin unzweideutiger Weise zu erkennen. Vergebens stürzt flehentlichdie Herzogin vor ihm nieder; er stößt sie mit Abscheu zurück. Indiesem Augenblicke erscheinen drei Mohren in goldenen Wappenröckcn,worauf lauter schwarze Böcke gestickt sind; sie bringen der Herzoginden Befehl, sich unverzüglich zu ihrem Herrn und Meister Satanaszu begeben, und die Zögernde wird mit Gewalt fortgeschleppt. Mansieht im Hintergrunde, wie der Bock von seinem Postamente herab-steigt und nach einigen sonderbaren Komplimentierungen mit derHerzogin ein Menuett tanzt. Langsam gemessene ceremoniöse Pas.Auf dem Antlitz des Bockes liegt der Trübsinn eines gefallenenEngels und der tiefe Ennui eines blasierten Fürsten; in allen Zügender Herzogin verrät sich die trostloseste Verzweiflung. Nach Be-endigung des Tanzes steigt der Bock wieder ans sein Postament; dieDamen, welche diesem Schauspiel zugesehen, nahen sich dcr Herzoginmit Knix und Huldigung und ziehen dieselbe mit sich fort. Faustist im Vordergründe stehen geblieben, und während er jenem Menuettzuschaut, erscheint wieder an seiner Seite Mephistophela. Mit Wider-willen und Ekel zeigt Faust auf die Herzogin und scheint in betreffderselben etwas Entsetzliches zu erzählen; er bezeugt überhaupt seinenEkel ob all dem Fratzentreiben, daS er vor sich sehe, ob all demgotischen Wüste, der nur eine plump schnöde Verhöhnung der kirch-lichen Askctik, ihm aber ebenso unerquicklich sei wie letztere. Erempfindet eine unendliche Sehnsucht nach dem Reinschönen, nachgriechischer Harmonie, nach den uneigennützig edlen Gestalten derhomerischen Frühlingswelt! Mephistophela versteht ihn, und mitihrem Zanberstab den Boden berührend, läßt sie das Bild der be-rühmten Helena von Sparta daraus hervorsteigen und sogleichwieder verschwinden. Das ist es, was das gelehrte, nach antikemIdeal dürstende Herz des Doktors begehrte; er giebt seine volle Be-geisterung zu erkennen, und durch einen Wink der Mephistophelaerscheinen wieder die magischen Rosse, worauf beide davonfliegen.In demselben Momente erscheint die Herzogin wieder ans der Scene;sie bemerkt die Flucht des Geliebten, gerät in die unsinnigste Ver-zweiflung und fällt ohnmächtig zu Boden. In diesem Zustandewird sie von einigen wüsten Gestalten und mit Scherz und Possenwie im Triumphe umhergetragen. Wieder Hexenronde, die plöülichunterbrochen wird von dem gellenden Klang eines Glöckchens undeinem Orgel-Choral, der eine verruchte Parodie der Kirchenmusik ist.Alles drängt sich zum Altar, Ivo der schwarze Bock in Flammen aufgehtund prasselnd verbrennt. Nachdem der Vorhang schon gefallen, hörtman noch die grausenhaft burlesken Freveltöne der Satansmessc.