I2Ü Deutschland II.
letzen, und der häßliche Eindruck des Fratzenwesens wird gemildertoder verwischt durch märchenhafte Pracht und positives Grauen.Bor den Bocksaltar tritt ab und zu ein Paar, ein Mann und einWeib, beide mit einer schwarzen Fackel in der Hand, sie verbeugensich vor der Rückseite des Bocks, knieen davor nieder und leisten dasHomagium des Kusses. Unterdessen kommen neue Gäste durch dieLuft geritten, auf Besenstielen, Mistgabeln, Kochlöffeln, auch aufWölfen und Katzen. Diese Ankömmlinge finden hier die Buhlen,die bereits ihrer harrten. Nach freudigster Willkomm-Begrüßungmischen sie sich unter die tanzenden Gruppen. Auch ihre Durchlauchtdie Herzogin kommt auf einer ungeheuren Fledermaus herangeflogen;sie ist so entblößt als möglich gekleidet und trägt am rechten Fußden güldenen Schuh. Sie scheint jemanden mit Ungeduld zu suchen.Endlich erblickt sie den Ersehnten, nämlich Faust, welcher mitMephistophela auf schwarzen Rossen zum Feste heranfliegt; er trägtein glänzendes Ritterqewand, und seine Gefährtin schmückt daszüchtig enganliegende Amazoncnkleid eines deutschen Edelfräuleins.Faust und die Herzogin stürzen einander in die Arme, und ihreüberschwellende Inbrunst offenbart sich in den verzücktesten Tänzen.Mephistophela hat unterdessen ebenfalls einen erwarteten Gespvnsgefunden, einen dürren Junker in schwarzer spanischer Manteltrachtund mit einer blutroten Hahnenfeder auf dem Barett; doch währendFaust und die- Herzogin die ganze Stufenleiter einer wahren Leiden-schaft, einer wilden Liebe, durchtanzen, ist der Zweitanz der Mephisto-phela und ihres Partners, als Gegensatz, nur der buhlerische Aus-druck der Galanterie, der zärtlichen Lüge, der sich selbst persiflierendenLüsternheit. Alle vier ergreifen endlich schwarze Fackeln, bringen inder oben erwähnten Weise dem Bocke ihre Huldigung, und schließensich zuletzt der Ronde an, womit die ganze vermischte Gesellschaft denAltar umwirbelt. Das Eigentümliche dieser Nonde besteht darin,daß die Tänzer einander den Rücken zudrehen,, und nicht das Gesicht,welches nach außen gewendet bleibt.
Faust und die Herzogin, welche dem Ringelreihen entschlüpfen,erreichen die Höhe ihres Liebestanmels und verlieren sich hinter denBäumen zur rechten Seite der Scene. Die Ronde ist beendet, undneue Gäste treten vor den Altar und begehen dort die Adorationdes Bocks; es sind gekrönte Häupter darunter, sogar Großwürden-träger der Kirche in ihren geistlichen Ornaten.
Im Vordergrunde zeigen sich mittlerweile viele Mönche undNonnen, und an ihren extravaganten Polkasprüngen erquicken sichdie dämonischen Zuschauer auf den Bergspitzen, und sie applaudierenmit lang hervorgestreckten Tatzen. Faust und die Herzogin kommenwieder zum Vorschein, doch sein Antlitz ist verstört, und verdrossenwendet er sich ab von dem Weibe, das ihn mit den wollüstigsten