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8 (1898) Deutschland : 2
Entstehung
Seite
108
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1t>8 Deutschland II,

Engel sind seine Vertrauten, wie die Teufel die Vertrauten desandern. Der Teufel und seine Diener sind schwarz; Christus undseine Engel sind weiß. In den Volksliedern des Nordens ist immervom weißen Christus die Rede, Wir Pflegen den Teufel den Schwarzen,den Fürsten der Finsternis zu nennen. Diesen beiden Persönlich-keiten, Christus und dem Teufel, hat unser Volk noch zwei andereebenso unsterbliche, ebenso unzerstörbare Figuren, den Tod und denewigen Juden, beigesellt. Das Mittelalter hat der modernen Kunstdiese vier Typen als kolossale Personifikationen des Guten, des Bösen,der Zerstörung und der Menschheit hinterlassen. Den ewigen Juden,das wehmütige Symbol der Menschheit, hat keiner so tief aufgefaßt,wie Edgar Quinet, einer der größten Dichter Frankreichs, WirDeutsche, die jüngst seinenAhasverus" übersetzten, waren nichtwenig erstaunt, bei einem Franzosen eine so großartige Conceptivnanzutreffen.

Vielleicht auch sind die Franzosen berufen, mit größtmöglicherRichtigkeit die Symbole des Mittelalters zu erklären. Die Franzosensind längst aus dem Mittelalter herausgetreten, sie betrachten dasselbemit Ruhe, und vermögen seine Schönheiten mit philosophischer undartistischer Unparteilichkeit zu würdigen. Wir Deutsche stecken nochtief im Mittelalter, wir bekämpfen noch seine hinfälligen Vertreter;wir vermöchten es also nicht mit allzu großer Vorliebe zu bewundern.Wir müssen uns im Gegenteil in parteilichem Hasse ereifern, damitunsere Zerstörungskraft nicht gelähmt werde,

Ihr Franzosen mögt das Rittertum bewundern und lieben, Ersi nd euch davon nur heitere Chroniken und eiserne Rüstungen gcblieben, Ihr wagt nichts dabei, eure Einbildungskraft solchergestaltzu erlnstigen, eure Neugier zu befriedigen. Bei uns Deutschen aberist die Chronik des Mittelalters noch nicht geschlossen; die neuestenBlätter sind noch feucht von dein Blut unserer Verwandten undFreunde, und jene funkelnden Harnische schlitzen noch den lebendigenLeib unserer Henker, Nichts hindert euch Franzosen, die alten gotischenFormen zu schätzen. Für euch sind die großen Kathedralen, wirNotre Dame de Paris, nichts anderes als Denkmäler der Baukunstund Romantik; für uns sind sie die furchtbarsten Festungen unsererFeinde, Für euch sind Satan und seine höllischen Genossen nurGebilde der Poesie; bei uns giebt es Schelme und Dummköpfe, welchesich abmühen, den Glauben an den Teufel und an höllischen Hexenfrevel wieder philosophisch zu begründen. Das so etwas in Münchengeschieht, ist in der Ordnung; daß man aber im aufgeklärten Württeinberg eine Rechtfertigung der alten Hexenprozesse versucht, daß einangesehener Schriftsteller, Herr Justinus Kerner, sich dort unterfangenhat, den Glauben an Besessene wieder zu beleben, das ist ebenso betrübend als widerwärtig.