Druckschrift 
8 (1898) Deutschland : 2
Entstehung
Seite
103
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Elementargeister, 103

Schleim in die Flammen spritzte, immer leiser zischte und endlich denGeist aufgab. Dieses Tier sieht aus wie eine Eidechse, ist abersafrangelb, etwas schwarz gesprenkelt, und der weiße Saft, den es imFeuer von sich giebt, und womit es vielleicht manchmal die Flammelöscht, mag den Glauben veranlaßt haben, daß es in den Flammenleben könne.

Die feurigen Männer, die des Nachts umherwandeln, sind keineElementargeister, sondert: Gespenster von verstorbenen Menschen,toten Wucherern, unbarmherzigen Amtmännern und Bösewichtern,die einen Grenzstein verrückt haben. Die Irrwische sind auch keineGeister, Man weiß nicht genau, was sie sind; sie verlocken denWanderer in Bioorgrund und Sümpfe, Die Engländer nennen sieVill vitlr s, visp oder wohl auch llaalr rvicklr u luntsrn. Wiegesagt, eine ganze Klasse Feuergeister, wie Paracelsus sie beschreibt,kennt das Volk nicht, *) Es spricht höchstens nur von einem einzigenFeuergeist, und das ist kein anderer als Lucifer, der Satan, derTeufel, In alten Balladen erscheint er unter dem Namen der Feuer-kvnig, und im Theater, wenn er auftritt oder abgeht, fehlen nie dieobligaten Flammen, Da er also der einzige Feuergeist ist und unsfür eine ganze Klasse solcher Geister schadlos halten muß, wollen wirihn näher besprechen.

In der That, wenn der Teufel kein Feuergeist wäre, wie könnteer es dann in der Hölle aushalten? Er ist ein Wesen von so kalterNatur, daß er sogar nirgends anders als im Feuer sich behaglichfühlen kann. Über diese kalte Natur deS Teufels haben sich alle diearmen Frauen beklagt, die mit ihni in nähere Berührung gekommen.

*) Der obige Satz steht in den französischen Ausgaben zu Anfang dieses Ab-satzes. Statt der nachfolgenden Zeilen findet sich dort die Stelle:

Was die echten Feuergeister betrifft, d. h. die, welche im Feuer zu lebenvermögen, so giebt es deren vielleicht nur zwei, uämlich Gott und den Teufel.

Da man in unserem Frankreich wenig von diesen beiden Widersachern weiß,oder von ihnen nur dunkle Erinnerungen hat, werdet ihr vielleicht neugierig sein,zu erfahren, was der Volksglaube in Deutschland darüber meldet.

Daß Gott ein Fenergeist sei, behaupten schon die alten Philosophen, z. B.Porphyrius, nach welchem unsere Seele nur ein Ausfluß der Feuerseele Gottesist. Die alten Magier haben das Feuer als die Gottheit selbst verehrt. Mosessah Jehovah im feurigen Busche . . . Wäre er nicht ein Fenergeist, wie hätte ersich dort aufhalten können? Die gewichtigste Autorität ist die des kleineu Mädchens,dem die Mutter Gottes erlaubt hatte, im Himmel umherzugehen. Nachdem dieKleine zwölf große Zimmer gesehen hatte, in deren jeden: ein Apostel wohnte, kamsie endlich zu einer Kammer, in welche einzutreten die Mutter Gottes ihr strengverboten hatte. Aber sie vermag ihrer Neugier nicht zu widerstehen, sie öffnetdie Thür, und was erblickt sie? Die heilige Dreieinigkeit inmitten eines hell-strahlenden roten Feuers.

Der Teufel muß ein Feuergeist sein; wie könnte er es sonst in der Hölleaushalten? Aber während der liebe Gott das Feuer verträgt, weil er selbst einfeuriger Geist ist, hält der Teufel dasselbe vortrefflich aus, weil er von so kalterNatur ist, daß er sich nur im Feuer behaglich fühlt." Der Herausgeber.