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8 (1898) Deutschland : 2
Entstehung
Seite
100
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ILO Deutschland II.

Panzerhemd ablegst. O Helgi, dein Haar ist weiß geworden vomReif, du bist überall von dem Tan der Toten ldas Blut) bedeckt,und deine Hände sind kalt wie Eis. Wie vermag ich, o König, deinenLeiden Linderung zu verschaffen?" Helgi antwortete:Du allein,Sigrun von Sewasjäll, bist Ursache, daß Helgi vom Tau des Un-glücks benetzt ist; allabendlich, ehe du einschläfst, o Königin mit Goldund Edelsteinen geschmückt, vergießest du lange Zeit bittere Thrttnen.Jede deiner Thräncn ist blutend auf meine Brust gefallen, auf meineeisige und schmerzzerschlagcne Brust! Aber wir trinken noch mit-einander den Saft der Wonnen, wenn wir auch jede Freude undjegliches Gut verloren; ja, daß niemand ein Traucrlied anstimme,wenn er auch klaffende Wunden auf meiner Brust sieht! Frauenweilen jetzt bei uns im verborgenen, Königsfrauen bei uns, denToten!" Sigrun bereitete ein Bett in dem Hügel:Hier ist einBett der Ruhe und frei von Sorgen, das ich für dich bereitet habe,v Helgi, Sohn Wölsungs! Ich will schlafet! in deinen Armen, oKönig, wie ich es gethan, als du lebtest!" Helgi sprach:Jetzt be-haupte ich, daß nichts unglaublich ist früh oder spät in Sewasjäll,da du, hehre Tochter Högnis von königlichem Stamme, in meinenleblosen Armen ruhst, du, die noch unter den Lebenden weilet!.Aber es ist Zeit, daß ich meinen Lichtweg wieder wandle, und meinbleiches Streitroß seinen Luftpfad wieder antrete, den das Morgen-rot schon zu erhellen beginnt; denn ich muß westwärts von derWindhjalm-Brücke (der Regenbogen) sein, ehe Salgofnir (der Hahn)das Volk der Sieger weckt." Helgi nnd sein Gefolge ritten aufihren Strcitrvssen fort, und die Frauen kehrten zu ihrer Wohnungzurück. Am folgenden Tag gegen Abend ließ Sigrun ihre Magd amGrabhügel Wacht halten. Aber bei Sonnenuntergang, als Sigrunzum Hügel kam, sagte sie:Um diese Stunde würde der SohnSigmunds von Odins Hallen gekommen sein, wenn er heute zukommen gedächte. Meine Hoffnung erlischt, den Helden wieder erscheinen zu sehen, denn die Adler lassen sich schon nieder auf denZweigen der Esche, und alle Welt beeilt sich, in das Reich der Träumeeinzugehen." Die Magd erwiderte:Sei nicht so tollkühn, o Tochterder Skjvldunger, dich allein in die Wohnungen der Geister zu begeben:in der Nacht sind die Toten mächtiger als in der Helle des Tages." Sigrun lebte nicht lauge in Leid nnd in Gram.

Hier endigt die Sage, aber der Erzähler fügt auf eigene Ver-antwortung die Worte hinzu:

Es herrschte in alten Zeiten der Glaube an die Wiedergeburt derMenschen; allein in unseren Tagen nennt man das ein Ammenmärchen.Man berichtet von Helgi und Sigrun, daß sie zum zweiten Male lebten:er hieß nachmals Helgi, der Held von Haddjugia, und Sigrun hießKara, die Tochter Halfdans, und sie war eine Walküre.