98 Deutschland II.
der Vater Sigruns und seine Sahne Bragi nnd Dag. Und es kamzu einer großen Schlacht, in der alle Sohne Gramnars und alleihre Heeresobersten fielen, ausgenommen Dag, den Sohn Högnis,welcher Frieden schloß und den Wölsungen Treue schwor. Sigrunging über das Schlachtfeld nnd fand Hodbrodd, der im Sterben lag.Sie sprach: „Niemals, o König Hodbrodd, wird Sigrun von Sewafjällin deinen Armen ruhen; dein Leben ist versallen. Bald wird dieWolfstatze die Söhne Granmars zerfleischen." Dann ging sie wiederzu Helgi und war voller Freude; der junge Krieger sprach zu ihr:„Leider, o Alwitr (die Allwissende, einer der Namen, die man denWalküren gab), leider ist nicht alles nach deinen Wünschen gegangen,aber die Normen lenken unsere Schicksale; Bragi und Högni sindheute morgen bei Frekastein gefallen — ich war ihr Mörder. UndStarkoddr fiel bei Styrkleif, und bei Hlcborg fielen HrollangsSöhne; der eine von ihnen war der grimmste Held, den ich jemalsgesehen; als sein Kopf abgehauen war, kämpfte noch immer seinLeib. Fast dein ganzes Geschlecht liegt jetzt am Boden, verwundetund tot; du hast in dieser Schlacht nichts gewonnen; es war dirvorherbestimmt, nur durch Kämpfe die Erfüllung deiner Wünsche zuerreichen." Da vergoß Sigrun Thräncn, und Helgi sprach: „Tröstedich, Sigrun, du warst unsere Hilde seine Kriegsgöttin, die zumKampf anfeuerte); die Könige selbst entgehen nicht ihrem Schicksal!"Sie antwortete: „Ach, könnte ich die, welche tot sind, wieder beleben,zugleich aber in deinen Armen ruhen!"
Helgi nahm Sigrun zum Weibe, uud sie schenkte ihm Söhne.Hel gi lebte nicht lange. Dag, der Sohn Högnis, brachte Odin Opferdar und bat ihn um Beistand, seinen Vater zu rächen, und Odinlieh ihm seine furchtbare Lanze. Dag fand seinen Schwager in derGegend, welche Fjötnrland heißt, und er durchbohrte ihn mit derLanze Odins. So fiel Helgi; aber Dag ritt sofort nach Sewafjällund brachte Sigrun die Nachricht von dem Tode ihres geliebten Helden.„Meine Schwester, ich bin genötigt, dir eine traurige Botschaft zuverkünden. Ich muß dich Thränen vergießen machen; ein Königist heute morgen in Fjöturland gefallen, ein König, welcher der bestevon allen auf Erden war, und dessen Haupt hoch über dem dertapfersten Krieger emporragte." Sigrun rief aus: „Möge dein Herzdurchbohrt werden von allen Eiden, die du Helgi bei der LichtwelleLeiptrs (der Fluß der Unterwelt) und bei der Eisklippe geschworenhast, die von seinen Wassern bespült wird! Möge nie ein Schiffunter dir dahingleiten, das ein günstiger Wind treibt; möge nieein Schlachtroß dich forttragen, würdest du auch von deinen grau-samsten Feinden verfolgt! Möge das Schwert, das du schwingst,seine Schneide verlieren, wenn es dir nicht selbst um das Hauptpfeift! O, könntest du, um den Tod Helgis an dir gerächt zu sehen,