Druckschrift 
8 (1898) Deutschland : 2
Entstehung
Seite
85
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Elementargeister. LS

Federgcwändern zu stehlen; als die Jungfrauen aus dem Bade stiegen,sich schnell in ihre Federklcider hüllten und davon flogen, blieb einezurück, die vergebens ihr Fcderkleid suchte. Sie kann nicht fortstiegen,weint beträchtlich, ist wunderschön, und der schlaue Ritter heiratet sie.Sieben Jahre leben sie glücklich; aber einst in der Abwesenheit desGeinahls kramt die Frau in verborgenen Schränken und Truhen,und findet dort ihr altes Federgewand; geschwind schlüpft sie hineinund stiegt davon.

In den altdänischcn Liedern ist von einem solchen Federgewandsehr oft die Rede; aber dunkel und in höchst befremdlicher Art. Hierfinden wir Spuren von dem ältesten Zauberwesen. Hier sind Tönevon nordischem Heidentum, die wie halbvergessene Träume in unseremGedächtnisse einen wunderbaren Anklang finden. Ich kann nichtumhin, ein altes Lied mitzuteilen, worin nicht bloß von der Feder-Haut gesprochen wird, sondern auch von den Nachtraben, die einSeitenstück zu den Schwanenjungfrauen bilden. Dieses Lied ist soschauerlich, so grauenhaft, so düster wie eine skandinavische Nacht,und doch glüht darin eine Liebe, die an wilder Süße und brennenderInnigkeit nicht ihresgleichen hat, eine Liebe, die, immer gewaltigerentlodernd, endlich wie ein Nordlicht emporschießt und mit ihrenleidenschaftlichen Strahlen den ganzen Himmel überstammt. Indemich hier dieses ungeheure Liebesgedicht mitteile, muß ich voraus-bemerken, daß ich mir dabei nur metrische Veränderungen erlaubte,daß ich nur am Äußerlichen, an dem Gewände, hier und da einbischen geschneidert. Der Refrain nach jeder Strophe ist immer:„So fliegt er über das Meer!"

Sie schifften wohl über das salzige Meer,

Der König und die Königin beide;

Daß die Königin nicht geblieben daheim,

Das ward zu großein Leide.

Das Schiff das stand ans einmal still,

Sie konnten's nicht weiter lenken;

Ein wilder Nachtrabe geflogen kam,

Er wollt's in den Grund versenken.

„Ist jemand unter den Wellen versteckt,

Und hält das Schiff befestigt?

Ich gebe ihm beides Silber und Gold,

Er lasse uns unbelästigt.

„So du es bist, Nachtrabe wild,

So senk uns nicht zu Grunde,

Ich gebe dir beides Silber und Gold,

Wohl fünfzehn gewogene Pfunde."