80 Deutschland II,
Weisen mit, wußten hübsche Märchen und Spiele, auch ihre Rackenund Spindeln hatten etwas Eigenes, und keine Spinnerin kannte safein und behend den Faden drehen. Aber mit dem Schlag elf standensie auf, packten ihre Racken zusammen, und ließen sich durch keineBitte einen Augenblick länger halten. Man wußte nicht, woher siekamen, und wvhin sie gingen; man nannte sie nur die Jungfernaus dem See, oder die Schwestern aus dem See. Die Burschen sahensie gern und verliebten sich in sie, zu allermeist des SchulmeistersSohn. Der konnte nicht satt werden, sie zu hören und mit ihnenzu sprechen, und nichts that ihm leider, als daß sie jeden Abendschon so früh aufbrachen. Da verfiel er einmal auf den Gedanken,und stellte die Dorfuhr eine Stunde zurück, und abends im stetenGespräch und Scherz merkte kein Mensch den Verzug der Stunde.Und als die Glocke elf schlug, es aber schon eigentlich zwölf war,standen die drei Jungfrauen auf, legten ihre Rocken zusammen undgingen fort. Den folgenden Morgen kamen etliche Leute am Seevorbei; da hörten sie wimmern und sahen drei blutige Stelleu obenauf der Fläche. Seit der Zeit kamen die Schwestern nimmermehr zurStube. Des Schulmeisters Sohn zehrte ab und starb kurz darnach."
ES streckte die Maid ihre Hand hersür:
„Ich gelobe dir Treu und ich folge dir."
Mich dünkt, gar schlimm ist das Reiten.
Aus der Kirche da ging eine Hochzcitschar,
Und sie tanzten freudig ohu' alle Gefahr.
Mich dünkt, gar schlimm ist das Reiten.
Sic tanzten mitsammen zum Mccresstraud,
Vis endlich keiner bei ihnen mehr stand.
Mich dünkt, gar schlimm ist das Reiten.
„O Tochter Marsk StigS, halt mein Pferd,
So bau' ich dir ein Schifslcin wert."
Mich dünkt, gar schlimm ist das Reiten.
Und als sie kamen zum weißen Sand.
Da wandten sich alle Schisslein zum Land.
Mich dünkt, gar schlimm ist das Reiten.
Und als sie kamen hinaus ans den Sund,
Versank die Maid auf den Meeresgrund.
Mich dünkt, gar schlimm ist das Reiten.
Man hörte bis tief in das Land hineinDie Tochter Marsk StigS im Wasser schrein.
Mich dünkt, gar schlimm ist das Reiten.
Ich rate jeglicher Jungfrau gut,
Sic geh nicht zum Tanze so hochgemut!
Mich dünkt, gar schlimm ist das Reiten.
Auch wir geben manchem jungen Mädchen den weisen Rat, nicht mit demers ten besten Ankömmling zu tanzen. Aber das junge Blut fürchtet immer nichtgenug Tänzer zu bekommen, und ehe sie sich der Gefahr aussetzten, Tapisserie-Arbeit zu machen, würsen sie sich mit Freuden einein Wassermann in die Arme.
Der Herausgeber.