gg Deutschland II.
Gold, Silber und Diamanten besessen; denn sie konnten überallunsichtbar herumkriechen, und kein Loch war ihnen zu klein, umdurchzuschlüpfen, führte es nur endlich zu dem Stollen des Reichtums.Die Rieseu aber blieben immer arm, und wenn man ihnen etwasgeborgt hatte, würden sie Riesenschuldcn hinterlassen haben. Auchwollten sich die Riesen niemals zum Christentums bekehren. Ichschließe dies ans einer alten dänischen Ballade, wo sich die Niesenzuletzt versammeln und eine Hochzeit feiern. Die Braut verschlingtallein zum Frühstück vier Tonnen Brei, sechzehn Ochscnleiber undachtzehn Schweineseiten, und trinkt außerdem sieben Tonnen Bier.Freilich bemerkt der Bräutigam: „Ich sah noch nie eine junge Braut,die so guten Appetit gehabt hätte." Unter den Gästen befand sichder kleine Mimmering, dessen Kleinheit ein Gegensatz zu der Gestaltdieser Riesen bildete. Und das Lied endigt mit den Worten: „KleinMimmering war unter diesem heidnischen Volk das einzige Christenkind 'Über die Hochzeiten des kleinen Volkes, wie man in Deutschlandzuweilen die Zwerge nennt, hat man noch die anmutigsten Traditionen,z. B. die folgende:
Das kleine Volk wollte einstmals im Schlosse Eilenbnrg inSachsen eine Hochzeit feiern. Während der Nacht schlüpften sie durch;Schlüsselloch und durch die Fensterritzcn in den Saal und sprangenalle ans der gebahnten Diele, wie Erbsen auf einer Scheuncntcnne,umher. Dadurch erwachte der alte Graf, welcher unter dem Himmelseines großen Bettes in jenem Saal schlief, und er war sehr ver-wundert beim Anblick dieser Menge von winzigen Leuten. Dannschritt einer von ihnen, reich wie ein Herold gekleidet, auf ihn zuund lud ihn höflich und in geziemenden Ausdrücken ein, an demFeste teilzunehmen. „Aber," fügte er hinzu, „nur bitten dich umeins: Nur du allein darfst hier zugegen sein: Keiner deines Hausesdarf sich erlauben, das Fest gleichzeitig mit dir anzusehen, wäre esauch nur mit einein einzigen Blicke." Der alte Graf antwortetefreundlich: „Da ihr mich in meinem Schlafs gestört habt, will icheuch gern Gesellschaft leisten." Hierauf führte man ihm eine kleineFrau zu; kleine Fackelträger stellten sich auf, und leise geheimnisvolleMusik begann. Der Graf hatte viel Mühe, beim Tanz nicht diekleine Frau zu verlieren, welche ihm so leicht bei ihren Sprüngenentschlüpfte und zuletzt so mit ihm hernmwirbeltc, daß er kaum Atemzu holen vermochte. Plötzlich hielt alles im Augenblick der lebhaftestenTanzfrcnde inne; die Musik verstummte, und die ganze Schar ranntenach den Thürritzen, Mauselöchern und überall hin, wo sich ein kleinerAusgang fand. Aber die Vermählten, die Herolde und die Tänzerrichteten ihre Augen zu einer Öffnung in der Saaldecke empor underblickten dort das Gesicht der alten Gräfin, welche verstohlen dielustige Gesellschaft betrachtete. Daun verbeugten sie sich vor dem