Geständnisse. 61
verleugnen. Keiner meiner Landsleute Hut in so frühem Alter, wieich, den Lorbeer errungen, und wenn mein Kollege Wolfgang Goethewohlgefällig davon singt, „daß der Chinese mit zitternder HandWerthern und Lotten aufs Glas male", so kann ich, soll doch einmalgeprahlt werden, dem chinesischen Ruhm einen noch weit fabelhafteren,nämlich einen japanischen, entgegensetzen. Als ich mich etwa vorzwölf Jahren hier im lZätsi äos Lrinvss bei meinem FreundeH. Wöhrman ans Riga befand, stellte mir derselbe einen Holländer vor,der eben aus Japan gekommen, dreißig Jahre dort in Nangasakizugebracht und begierig wünschte, meine Bekanntschaft zu machen.Es war der Or. Bürger, der jetzt in Lehden mit dem gelehrtenSehbold das große Werk über Japan heransgiebt. Der Holländererzählte mir, daß er einen jungen Japanesen Deutsch gelehrt, derspäter meine Gedichte in japanischer Übersetzung drucken ließ, unddieses sei das erste europäische Buch gewesen, das in japanischerSprache erschienen — übrigens fände ich über diese kuriose Über-iragnng einen weitlänftigen Artikel in der englischen Üsviscv vonCalcutta. Ich schickte sogleich nach mehreren (Instinkts äs lsstnrs,doch keine ihrer gelehrten Vorsteherinnen konnte mir die Itsvisrv vonCalcutta verschaffen, und auch an Julien und Panlticr wandte ichmich vergebens, an jene gelehrten Widersacher, welche die Wissenschaftmit zwei großen Entdeckungen bereichert: Herr Julien, der berühmteSinologe, hat entdeckt, daß Herr Panltier kein Chinesisch versteht,während Herr Panltier, der große Jndianist, entdeckte, daß HerrJulien kein Sanskrit versteht; sie haben überdies, für das Publikumhöchst wichtige und höchst interessante Thema viele Bücher veröffentlicht.
Seitdem habe ich über meinen japanischen Ruhm keine weiterenNachforschungen angestellt. In diesem Augenblick ist er mir ebensogleichgültig wie etwa mein finnländischer Ruhm. .Ach! der Ruhmüberhaupt, dieser sonst so süße Tand, süß wie Ananas und Schmeichelei,er ward mir seit geraumer Zeit sehr verleidet; er dünkt mich jetztbitter wie Wermut. Ich kann wie Romeo sagen: „Ich bin der Narrdes Glücks." Ich stehe jetzt vor dem großen Breinapf, aber es fehltmir der Löffel. Was nützt es mir, daß bei Festmahlen aus goldenenPokalen und mit den besten Weinen ineine Gesundheit getrunkenwird, wenn ich selbst unterdessen, abgesondert von aller Wcltlust, nurmit einer schalen Tisane meine Lippen netzen darf! Was nützt esmir, daß begeisterte Jünglinge und Jungfrauen meine marmorneBüste mit Lorbeeren umkränzen, wenn derweilen meinem wirklichenKopfe von den welken Händen einer alten Wärterin eine spanischeFliege hinter die Ohren gedrückt wird! Was nützt es mir, daß alleRosen von Schiras so zärtlich für mich glühen und duften — ach,Schiras ist zweitausend Meilen entfernt von der Rue d'Amsterdam,wo ich in der verdrießlichen Einsamkeit meiner Krankenstube nichts