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8 (1898) Deutschland : 2
Entstehung
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6k) Deutschland II.

ein Violettstrumpf, sogar der rote Hut konnte mir auf den Kopffallen und wie das Sprüchlein heißt:

Es ist kein Pfäfflcin noch so klein,

Es möchte gern ein Päpstlein sein

so hätte ich am Ende vielleicht gar jenen erhabensten Ehrenpostenerklommen denn obgleich ich von Natur nicht ehrgeizig bin, sowürde ich dennoch die Ernennung zum Papste nicht ausgeschlagenhaben, wenn die Wahl des Konklaves auf mich gefallen wäre. Esist dieses jedenfalls ein sehr anständiges und auch mit gutem Ein-kommen versehenes Amt, das ich gewiß mit hinlänglichem Geschickversehen konnte. Ich hätte mich ruhig niedergesetzt auf den StuhlPetri, allen frommen Christen, sowohl Priestern als Laien, das Beinhinstreckend zum Fußkuß. Ich hätte mich ebenfalls mit gehörigerSeelenruhe durch die Pfeilergänge der großen Basilika in Triumphherumtragen lassen, und nur im wackclndsten Falle würde ich michein bißchen festgeklammert haben an der Armlehne des goldenenSessels, den sechs stämmige karmoisinrote Kamcricrcn auf ihrenSchultern tragen, während nebenher glatzköpfige Kapuziner mitbrennenden Kerzen und galonnierte Lakaien wandeln, welche un-geheuer große Pfanenwedel empvrhalten und das Haupt des Kirchen-sürstcn befächeln wie gar lieblich zu schauen ist auf dem Prozessions-gemälde des Horace Veruet. Mit einein gleichen unerschütterlichensacerdvtnlen Ernste denn ich kann sehr ernst sein, wenn es durch ^aus nötig ist hätte ich auch vom Lateran herab der ganzenChristenheit den jährlichen Segen erteilt; in poniüüoalilzus, mit derdreifachen Krone ans dem Kopfe, und umgeben von einem Gcneralstabvon Rvthüten und Bischofsmützen, Goldbrokatgewänderu und Kuttenvon allen Cvüleureu, hätte sich Meine Heiligkeit ans dem hohen Balkondem Volke gezeigt, das tief unten in unabsehbar wimmelnder Mengemit gebeugten Köpfen und knieend hingelagert und ich hätte ruhigdie Hände ausgestreckt und den Segen erteilt, der Stadt und der Welt.

Aber, wie du wohl weißt, geneigter Leser, ich bin kein Papstgeworden, auch kein Kardinal, nicht mal ein römischer Nuntius, und,wie in der weltlichen, so auch in der geistlichen Hierarchie habe ichweder Amt noch Würden errungen. Ich habe es, wie die Leute sagen,auf dieser schönen Erde zu nichts gebracht. Es ist nichts aus mirgeworden, nichts als ein Dichter.

Nein, ich will keiner heuchlerischen Demut mich hingebend, diesenNamen geringschätzen. Man ist viel, wenn man ein Dichter ist, undgar wenn man ein großer lyrischer Dichter ist in Deutschland, unterdem Volke, das in zwei Dingen, in der'Philosophie und im Liede,alle andern Nationen überflügelt hat. Ich will nicht mit der falschenBescheidenheit, welche die Lumpen erfunden, meinen Dichterruhm