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8 (1898) Deutschland : 2
Entstehung
Seite
55
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Geständnisse. 55

Gefahr geraten, Plötzlich in überwallender Zärtlichkeit oder Schwatz-sucht oder Gewissensbissigkeit dem armen Gatten die fatalen Geständ-nisse zu machen!

Der Unglauben ist in der Ehe jedenfalls gefährlich, und so frei-geisterisch ich selbst gewesen, so durfte doch in meinem Hause nie einfrivoles Wort gesprochen werden. Wie ein ehrsamer Spießbürgerlebte ich mitten in Paris, und deshalb, als ich heiratete, wollte ichauch kirchlich getraut werden, obgleich hierzulande die gesetzlich ein-geführte Civilehe hinlänglich von der Gesellschaft anerkannt ist. Meineliberalen Freunde grollten mir deshalb und überschütteten mich mitVorwürfen, als hätte ich der Klerisei eine zu große Konzession gemacht.Ihr Murrsinn über meine Schwäche würde sich noch sehr gesteigerthaben, hätten sie gewußt, wieviel größere Konzessionen ich damalsder ihnen verhaßten Priesterschaft machte. Als Protestant, der sichmit einer Katholikin verheiratete, bedurfte ich, um von einem katho-lischen Priester kirchlich getraut zu werden, eine besondere DispenSdes Erzbischvfs, der diese aber in solchen Fällen nur unter der Be-dingung erteilt, daß der Gatte sich schriftlich verpflichtet, die Kinder,die er zeugen würde, in der Religion ihrer Mutter erziehen zn lassenEs wird hierüber ein Revers ausgestellt, und wie sehr auch dieprotestantische Welt über solchen Zwang schreit, so will mich bedünken,als sei die katholische Priesterschaft ganz in ihrem Rechte, denn werihre einsegnende Garantie nachsucht, muß sich auch ihren Bedingungensägen. Ich fügte mich denselben ganz äs donns km, und ich wäregewiß meiner Verpflichtung redlich nachgekommen. Aber unter unsgesagt, da ich wohl wußte, daß Kinderzcugen nicht meine Spezialitätist, so konnte ich besagten Revers mit desto leichterem Gewissen unter-zeichnen, und als ich die Feder aus der Hand legte, kicherten inmeinem Gedächtnis die Worte der schonen Ninon de Lenclos: „O,Is bsan dillob guu I-svlmstrs!"

Ich will meinen Bekenntnissen die Krone aufsetzen, indem ichgestehe, daß ich damals, um die Dispens des Erzbischofs zu erlangen,nicht bloß meine Kinder, sondern sogar mich selbst der katholischenstäche verschrieben hätte — Aber der O^rs äs Koros, der wie dasUngeheuer in den Kindermärchen sich die künftige Geburt für seineDienste ausbcdingt, begnügte sich mit den armen Kindern, die freilichnicht geboren wurden, und so blieb ich ein Protestant, nach wie vor,ein protestierender Protestant, und ich protestiere gegen Gerüchte, die,ohne verunglimpfend zu sein, dennoch zum Schaden meines gutenLeumunds ausgebeutet werden können.

Ja, ich, der ich immer selbst das allerwitzigste Gerede, ohne michviel darum zu bekümmern, über mich hingehen ließ, ich habe michzu obiger Berichtigung' verpflichtet geglaubt, um der Partei des edlenAtta Troll, die noch immer in Deutschland herumtrvddelt, keinen