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8 (1898) Deutschland : 2
Entstehung
Seite
48
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43 Deutschland II.

Ich sehe jetzt, die Griechen waren nur schöne Jünglinge, die Judenaber waren immer Männer, gewaltige, unbeugsame Männer, nichtblaß ehemals, sondern bis auf den heutigen Tag, trotz achtzehn Jahr-hunderten der Verfolgung und des Elends. Ich habe sie seitdembesser würdigen gelernt, und wenn nicht jeder Geburtsstolz bei denKämpen der Revolution und ihrer demokratischen Prinzipien einnärrischer Widerspruch wäre, so könnte der Schreiber dieser Blätterstolz darauf sein, daß seine Ahnen dem edlen Hanse Israel angehörten,daß er ein Abkömmling jener Märtyrer, die der Welt einen Gottund eine Moral gegeben, und auf allen Schlachtfeldern des Gedankensgekämpft und gelitten haben.

Die Geschichte des Mittelalters und selbst der modernen Zeith at selten in ihre Tagesberichte die Namen solcher Ritter des heiligenGeistes eingezeichnet, denn sie fochten gewöhnlich mit verschlossenemVisier. Ebensowenig die Thaten der Juden, wie ihr eigentlichesWesen, sind der Welt bekannt. Man glaubt sie zu kennen, weil manihre Bärte gesehen, aber mehr kam nie von ihnen zum Vorschein,und, wie im Mittelalter, sind sie auch noch in der modernen Zeitein wandelndes Geheimnis. Es mag enthüllt werden an dem Tage,wovon der Prophet gcweissagt, daß es alsdann nur noch einen Hirtenund eine Herde geben wird, und der Gerechte, der für das Heil derMenschheit geduldet, seine glorreiche Anerkennung empfängt.

Man sieht, ich, der ich ehemals den Homer zu citieren pflegte,ich citiere jetzt die Bibel, wie der Onkel Toni. In der That, ichverdanke ihr viel. Sie hat, wie ich oben gesagt, das religiöse Gesichtwieder in mir erweckt; und diese Wiedergeburt des religiösen Gefühlsgenügte dem Dichter, der vielleicht weit leichter als andere Sterblicheder positiven GlanbenSdogmcn entbehren kann. Er hat die Gnade,und seinem Geist erschließt sich die Symbolik des Himmels und derErde; er bedarf dazu keines Kirchenschlüsscls. Die thvrichtstcn undwidersprechendsten Gerüchte sind in dieser Beziehung über mich inUmlauf gekommen. Sehr fromme, aber nicht sehr gescheite Männerdes protestantischen Deutschland haben mich dringend befragt, obich dem lutherisch evangelischen Bekenntnisse, zu welchem ich michbisher nur in lauer, offizieller Weise bekannte, jetzt, wo ich krankund gläubig geworden, mit größerer Sympathie als zuvor zugethansei? Nein, ihr lieben Freunde, es ist in dieser Beziehung keineÄnderung mit mir vorgegangen, und wenn ich überhaupt dem evan-gelischen Glanben angehörig bleibe, so geschieht es, weil er mich auchjetzt durchaus nicht geniert, wie er mich früher nie allzusehr genierte.Freilich, ich gestehe es aufrichtig, als ich mich in Preußen und zumalin Berlin befand, hätte ich, wie manche meiner Freunde, mich gernvon jedem kirchlichen Bande bestimmt losgesagt, wenn nicht die dortigenBehörden jedem, der sich zu keiner von den staatlich privilegierten