Geständnisse,
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Welche Demütigung! mit all meiner Wissenschaft habe ich eSnicht weiter gebracht, als der arme unwissende Neger, der kaum buch-stabieren gelernt! Der arme Tom scheint freilich in dein heiligenBuche noch tiefere Dinge zu sehen, als ich, dem besonders die letztePartie noch nicht ganz klar geworden. Tom versteht sie vielleichtbesser, weil mehr Prügel darin vorkommen, nämlich jene unaufhör-lichen Peitschenhiebe, die mich manchmal bei der Lektüre der Evangelienund der Apostelgeschichte sehr unästhetisch anwiderten. So ein armerNegersklave liest zugleich mit dem Rücken, und begreift daher vielbesser als nur. Dagegen glaube ich mir schmeicheln zu dürfen, daßmir der Charakter des Moses in der ersten Abteilung des heiligenBuches einleuchtender aufgegangen sei. Diese große Figur hat mirnicht wenig imponiert. Welche Riesengestalt! Ich kann mir nichtvorstellen, daß Og, König von Basau, größer gewesen sei. Wie kleinerscheint der Sinai, wenn der Moses daraus steht! Dieser Berg istnur das Postament, worauf die Füße des Mannes stehen, dessenHaupt in den Himmel hineinragt, wo er mit Gott spricht — Gottverzeih' mir die Sünde, manchmal wollte es mich bcdünken als seidieser mosaische Gott nur der zurückgestrahlte Lichtglanz des Mosesselbst, dem er so ähnlich sieht, ähnlich in Zorn und in Liebe, Eswäre eine große Sünde, es wäre Anthrvpomorphismus, wenn maneine solche Identität des Gottes und seines Propheten annähme —aber die Ähnlichkeit ist frappant.
Ich hatte Moses früher nicht sonderlich geliebt, wahrscheinlichweil der hellenische Geist in mir vorwaltend war, und ich dem Gesetz-geber der Juden seinen Haß gegen alle Bildlichkeit, gegen die Plastik,nicht verzieh. Ich sah nicht, daß Moses, trotz seiner Befeindung der,ännst, dennoch selber ein großer Künstler war und den wahrenHünstlergeist besaß. Nur war dieser Künstlcrgeist bei ihm, wie beiseinen ägyptischen Landsleutcn, nur auf das Kolossale und Unver-wüstliche gerichtet. Aber nicht wie diese Ägypter formierte er seinennstwerke aus Backstein und Granit, sondern er baute Menschcn-vyramiden, er meißelte Mcnschcnobclisken, er nahm einen armenHirtenstamm und schuf daraus ein Volk, das ebenfalls den Jahr-nnderten trotzen sollte, ein großes, ewiges, heiliges Volk, ein VolkGottes, das allen andern Völkern als Muster, ja der ganzen Mensch-heit als Prototyp dienen konnte: er schuf Israel! Mit größeremHechte, als der römische Dichter, darf jener Künstler, der SohnAmrams und der Hebamme Jochebed, sich rühmen, ein Monumentrichtet zu haben, das alle Bildungen aus Erz überdauern wird!Wie über den Werkmeister, Hab' ich auch über das Werk, dieHuden, nie mit hinlänglicher Ehrfurcht gesprochen, und zwar gewißncder meines hellenischen Naturells wegen, dem der jndäische AsketiS-nuS zuwider war. Meine Vorliebe für Hellas hat seitdem abgenommen.