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8 (1898) Deutschland : 2
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42 Deutschland II.

liebe Gott sei. Dieser thörichte Stolz übte keineswegs einen verderb-lichen Einfluß ans meine Gefühle, die er vielmehr bis zum Hervismussteigerte; und ich machte damals einen solchen Aufwand von Groß-mut und Selbstaufopferung, daß ich dadurch die brillantesten-Hoch-thaten jener guten Spießbürger der Tugend, die nur aus Pflichtgefühlhandelten und nur den Gesehen der Moral gehorchten, gewiß außerordentlich verdunkelte. War ich doch selber jetzt das lebende Gesetzder Moral und der Quell alles Rechtes und aller Befugnis. Ichwar die Ursittlichkeit, ich war unsündbar, ich war die inkarnierteReinheit; die anrüchigsten Magdaleneu wurden purifizicrt durch dieläuternde und sühnende Macht meiner Liebesflammen, und fleckenloswie Lilien und errötend wie keusche Rosen, mit einer ganz neuenJungfräulichkeit, gingen sie hervor aus den Umarmungen des Gottes.Diese Restaurationen beschädigter Magdtiimer, ich gestehe es, er-schöpften zuweilen meine Kräfte. Aber ich. gab, ohne zu feilschen,und unerschöpflich war der Born meiner Barmherzigkeit. Ich marganz Liebe und war ganz frei von Haß. Ich rächte mich auch nichtmehr an meinen Feinden, da ich im Grunde keinen Feind mehr hatte,oder vielmehr niemand als solchen anerkannte; für mich gab es jetztnur noch Ungläubige, die an meiner Göttlichkeit zweifelten — JedeUnbill, die sie mir nnthatcn, war ein Sakrileginm, und ihre SchmäHungen waren Blasphemien. Solche Gottlosigkeiten konnte ich freilichnicht immer ungeahndet lassen, aber alsdann war es nicht einemenschliche Mache, sondern die Strafe Gottes, die den Sünder traf.Bei dieser höheren Gercchtigkeitspflege unterdrückte ich zuweilen mitmehr oder weniger Mühe alles gemeine Mitleid. Wie ich keineFeinde besaß, so gab es für mich auch keine Freunde, sondern nurGläubige, die an meine Herrlichkeit glaubten, die mich anbeteten, auchmeine Werke lobten, sowohl die versifizicrtcn, wie die, welche ich inProsa geschaffen, und dieser Gemeinde von wahrhaft Frommen undAndächtigen that ich sehr viel Gutes, zumal den jungen Dcvvtinncn.

Aber die Repräsentationskosten eines GvtteS, der sich nicht lumpenlassen will und weder Leib noch Börse schont, sind ungeheuer; unieine solche Nolle mit Anstand zu spielen, sind besonders zwei Dingeunentbehrlich t viel Geld und viel Gesundheit. Leider geschah es, daßeines Tages — im Februar 1848 — diese beiden Requisiten mirabhanden kamen, und meine Göttlichkeit geriet dadurch sehr insStocken. Zum Glück war das verehrungswürdige Publikum in jenerZeit mit so großen, unerhörten, fabelhaften Schauspielen beschäftigt,daß dasselbe die Veränderung, die damals mit meiner kleinen Personvorging, nicht besonders bemerken mochte. Ja, sie waren unerhörtund fabelhaft, die Ereignisse in jenen tollen Februartagcn, wo dieWeisheit der Klügsten zu Schanden gemacht und die Anserwähltendes Blödsinns auss Schild gehoben wurden. Die Letzten wurden die