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8 (1898) Deutschland : 2
Entstehung
Seite
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86 Deutschland II.

Herbergsprache die Existenz Gottes zu leugnen sich unterfingen —als der Atheismus anfing, sehr stark nach Käse, Branntwein undTabak zu stinken: da gingen mir plötzlich die Augen auf, und wasich nicht durch meinen Verstand begriffen hatte, daS begriff ich jetztdurch den Geruchssinn, durch das Mißbehagen des Ekels, und mitmeinem Atheismus hatte eS, gottlob! ein Ende.

lim die Wahrheit zu sagen, es mochte nicht bloß der Ekel sein,was mir die Grundsätze der Gottlosen verleidete und meinen Rücktrittveranlasste. Es war hier auch eine gewisse weltliche Besorgnis imSpiel, die ich nicht überwinden konnte; ich sah nämlich,, daß derAtheismus ein mehr oder minder geheimes Bündnis geschlossen mitdem schauderhaft nacktesten, ganz feigcnblattlosen kommunen Kommunis-mus. Meine Scheu vor dem letzteren hat wahrlich nichts gemeinmit der Furcht des Glückspilzes, der für seine Kapitalien zittert, odermit dem Verdruß der wohlhabenden Gcwerbsleute, die in ihren Aus-beutungsgcschnften gehemmt zu werden fürchten;' nein, mich beklemmtvielmehr die geheime Angst des Künstlers und des Gelehrten, diewir unsere ganze moderne Civilisation, die mühselige Errungenschaf!so vieler Jahrhunderte, die Frucht der edelsten Arbeiten unserer Vor-gänger, durch den Sieg des Kommunismus bedroht sehen. Fort-gerissen von der Strömung großmütiger Gesinnung, mögen wir immerhindie Interessen der Kunst und Wissenschaft, ja alle unsere Partikular-interessen dem Gesamtintcresse des leidenden und unterdrückten Volkesaufopfern; aber wir können uns nimmermehr verhehlen, wessen wiruns zu gewärtigen haben, sobald die große rohe Masse, welche dieeinen das Volk, die andern den Pöbel nennen, und deren legitimeSouveränität bereits längst proklamiert worden, zur wirklichen Herrschast käme. Ganz besonders empfindet der Dichter ein unheimlichesGrauen vor dem Regierungsantritte dieses täppischen Souveräns.Wir wollen gern für das Volk uns opfern, denn Selbstaufopferunggehört zu unseren raffiniertesten Genüssen >— die Emancipation desVolkes war die große Aufgabe unseres Lebens und wir haben dafürgerungen und namenloses Elend ertragen, in der Heimat wie imExil — aber die reinliche, sensitive Natur des Dichters sträubt sichgegen jede persönlich nahe Berührung mit dem Volke, und noch mehrschrecken wir zusammen bei dem Gedanken an seine Liebkosungen, vordenen uns Gott bewahre! Ein großer Demokrat sagte einst: er würde,hätte ein König ihm die Hand gedrückt, sogleich seine Hand ins Feuerhalten, um sie zu reinigen. Ich möchte in derselben Weise sagen:Ich würde meine Hand waschen, wenn mich das souveräne Volk mitseinem Händedruck beehrt hätte.

O das Volk, dieser arme König in Lumpen, hat Schmeichlerge funden, die viel schamloser, als die Höflinge von Byzanz undVersailles, ihm ihren Weihrauchkessel an den Kopf schlugen. Diese