24 Deutschland II,
Hauses, von dessen Adresse er mir eine große Anzahl Exemplare gab,und er versprach mir Empfehlungsbriefe für die besten PariserRestanrants, im Fall ich die Hauptstadt zu meiner Erheiterung be-suchen wollte. Da ich nun wirklich einer Aufheiterung bedurfte, undSpandau zu weit Venn Meere entfernt ist, um dort Austern zu essen,und mich die Spandaucr Geflügelsuppen nicht sehr lockten, und auchobendrein die preußischen Ketten im Winter sehr kalt sind und meinerGesundheit nicht zuträglich sein konnten, so entschloß ich mich, nachParis zu reisen und im Vaterland des Champagners und der Marseillaisejenen zu trinken und diese letztere, nebst avant, irmrslions!"und ^Eaür^stts anx otzsvsux blanos/ singen zu hören.
Den 1, Mai 1831 fuhr ich über den Rhein, Den alten Flußgott,den Vater Rhein, sah ich nicht, ich begnügte mich, ihm meine Visiten-karte ins Wasser zu werfen. Er saß, wie man mir sagte, in derTiefe und studierte wieder die französische Grammatik von Meidinger,weil er nämlich wahrend der preußischen Herrschaft große Rückschritteim Französischen gemacht hatte, und sich jetzt eventualiter aufs neueeinüben wollte. Ich glaubte ihn unten konjugieren zu hören: ,Rärins,tu ainrss, 11 uiins, nous -Enrons!" — Was liebt er aber? In keinemFalle die Preußen, Den Straßburger Münster sah ich nur von fern;er wackelte mit dem Kopfe, wie der alte getreue Eckart, wenn er einenjungen Fant erblickt, der nach dein Vcnusberge zieht.
Zu Saint-Denis erwachte ich aus einem süßen Morgenschlafe,und hörte zum ersten Male den Ruf der Coucouführer: „Paris!Paris!" sowie auch das Schcllcngeklingel der Coco-Verkäufer, Hieratmet man schon die Luft der Hauptstadt, die am Horizonte bereitssichtbar. Ein alter Schelm von Lohnbedienter wollte mich bereden,die Königsgräber zu besuchen, aber ich war nicht nach Frankreich ge-kommen, um tote Könige zu sehen; ich begnügte mich damit, mir vonjenem Cicerone die Legende dieses Ortes erzählen zu lassen, wie nämlichder böse Heidenkönig dem heiligen Denis den Kopf abschlagen ließ,und dieser mit dem Kopf in der Hand von Paris nach Saint-Denislief, um sich dort begraben und den Ort nach seinem Namen nennenzu lassen. Wenn man die Entfernung bedenke, sagte mein Erzähler,müsse man über das Wunder staunen, daß jemand so weit zu Fußohne Kopf gehen konnte — doch setzte er mit einem sonderbarenLächeln hinzu: .Dans ckss oas xarsils il n'/ a gns ls prsinrsr xasgui oonts," Das war zwei Franken wert, und ich gab sie ihm, xonr1'anrour eis Volts-irs, dessen Spottlächeln ich hier schon begegnete.In zwanzig Minuten war ich in Paris, und zog ein durch dieTriumphpforte des Boulevard Saint-Denis, die ursprünglich zu EhrenLudwigs XIV, errichtet worden, jetzt aber zur Verherrlichung meinesEinzugs in Paris diente. Wahrhaft überraschte mich die Menge vongeputzten Leuten, die sehr geschmackvoll gekleidet waren, wie Bilder