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8 (1898) Deutschland : 2
Entstehung
Seite
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Geständnisse. 2Z

eines Modejournals. Dann imponierte mir, daß sie alle französischsprachen, was bei uns ein Kennzeichen der vornehmen Welt; hier istalso das ganze Volk so vornehm, wie bei uns der Adel. Die Männerwaren alle so höflich, und die schönen Frauen so lächelnd. Gab mirjemand unversehens einen Stoß, ohne gleich um Verzeihung zu bitten,so konnte ich darauf wetten, daß es ein Landsmann war; und wennirgend eine Schöne etwas allzu säuerlich aussah, so hatte sie entwederSauerkraut gegessen, oder sie konnte Klopstock im Original lesen. Ichfand alles so amüsant, und der Himmel war so blau und die Luftso liebenswürdig, so generös, und dabei flimmerten noch hier und dadie Lichter der Julisvnnc; die Wangen der schönen Lutetia warennoch rot von den Flammcnküssen dieser Sonne, und an ihrer Brustwar noch nicht ganz verwelkt der brüntliche Blumenstrauß. An denStraßenecken waren freilich hier und da ^ludsrts, sAulita, tratsruits"schon wieder abgewischt. Die Flitterwochen vergehen so schnell!

Ich besuchte sogleich die Restaurants, denen ich empfohlen war;diese Speisewirte versicherten mir, daß sie mich auch ohne Empfehlungs-schreiben gut aufgenommen hätten, da ich ein so honettes und distinguiertesÄußere besäße, das sich von selbst empfehle. Nie hat mir ein deutscherGarkoch dergleichen gesagt, wenn er auch ebenso dachte; so ein Flegelmeint, er müsse uns das Angenehme verschweigen, und seine deutscheOffenheit verpflichte ihn, nur widerwärtige Dinge uns ins Gesicht zujagen. In den Sitten und sogar in der Sprache der Franzosen istso viel köstliche Schmeichelei, die so wenig kostet, und doch so wohl-tätig und erquickend. Meine Seele, die arme Sensitive, welche dieScheu vor vaterländischer Grobheit so sehr zusammengezogen hatte,erschloß sich wieder jenen schmeichlerischen Lauten der französischenUrbanität. Gott hat uns die Zunge gegeben, damit wir unseren Mit-menschen etwas Angenehmes sagen.

Mit dein Französischen haperte es etwas bei meiner Ankunft;aber nach einer halbstündigen Unterredung mit einer kleinen Blumen-händlerin im Passage de l'Opera ward mein Französisch, das seit derSchlacht bei Waterloo eingerostet war, wieder flüssig, ich stotterte michwieder hinein in die galantesten Konjugationen und erklärte derv winen sehr verständlich das Linnäsche System, wo man die Blumennach ihren Staubfäden einteilt; die Kleine folgte einer andern Methodeund teilte die Blumen ein in solche, die gut röchen, und in solche,welche stänken. Ich glaube, auch bei den Männern beobachtete siedieselbe Klassifikation. Sie war erstaunt, daß ich trotz meiner Jugendso gelehrt sei, und posaunte meinen gelehrten Ruf im ganzen Passagedc l'Opera. Ich sog auch hier die Wohldüfte der Schmeichelei mitNonne ein, und amüsierte mich sehr. Ich wandelte auf Blumen, undmanche gebratene Taube flog mir ins offene, gaffende Maul. Wie-viel Amüsantes sah ich hier bei meiner Ankunft! Alle Nvtabilitäten