Geständnisse. 23
nicht lange, so machte der Kaiser den Schwager Murat zum Königvon Neapel, und derselbe entsagte der Souveränität des Großherzog-tnms Berg zu gunsten des Prinzen Franpois, welcher ein Neffe desKaisers nnd ältester Sohn des Königs Ludwig von Holland nnd derschönen Königin Hvrtense war. Da derselbe nie abdizierte, und seinFürstentum, das von den Preußen occupiert ward, nach seinem Ab-leben dem Sohne des Königs von Holland, dem Prinzen LouisNapoleon Bonaparte eis fürs zufiel, so ist letzterer, welcher jetzt auchKaiser der Franzosen ist, mein legitimer Souverän.
An einem andern Orte, in meinen Memoiren, erzähle ich weit-läufiger, als es hier geschehen dürfte, wie ich nach der Julius-revolution nach Paris übersiedelte, wo ich seitdem ruhig und zufriedenlebe. Was ich während der Nestauration gethan und gelitten, wirdebenfalls zu einer Zeit mitgeteilt werden, wo die uneigennützige Absichtsolcher Mitteilungen keinem Zweifel und keiner Verdächtigung be-gegnen kann. Ich hatte viel gethan und gelitten, und als die
Sonne der Juliusrevolution in Frankreich aufging, war ich nach-gerade sehr müde geworden nnd bedurfte einiger Erholung. Auchward mir die heimatliche Lust täglich ungesunder, nnd ich mußteernstlich an eine Veränderung des Klimas denken. Ich hatte Visionen;die Wolkenzüge ängstigten mich und schnitten mir allerlei fatale Fratzen.Es kam mir manchmal vor, als sei die Sonne eine preußische Kokarde;des Nachts träumte ich von einem häßlichen schwarzen Geier, der mirdie Leber fraß, und ich ward sehr melancholisch. Dazu hatte ich einenalten Berliner Justizrat kennen gelernt, der viele Jahre auf derFestung Spandau zugebracht nnd mir erzählte, wie es unangenehmsei, wenn man im Winter die Eisen tragen müsse. Ich fand es inder That sehr unchristlich, daß man den Menschen die Eisen nicht einbißchen wärme. Wenn man nnS die Ketten ein wenig wärmte,würden sie keinen so nnangenchmen Eindruck machen, nnd selbstfröstelnde Naturen könnten sie dann gut ertragen; man sollte auchdie Vorsicht anwenden, die Ketten mit Essenzen von Rosen und Lvrbeernzu parfümieren, wie eS hierzulande geschieht. Ich frug meinenJustizrat, ob er zu Spandau oft Austern zu essen bekommen. Ersagte nein, Spandau sei zu weit vom Meere entfernt. Auch dasFleisch, sagte er, sei dort rar, und es gebe dort kein anderes Geflügel,als die Fliegen, die einem in die Suppe fielen. Zu gleicher Zeitlernte ich einen französischen oomnris voz-aZsnr kennen, der für eineWeinhandlung reiste und mir nicht genug zu rühmen wußte, wielustig man jetzt in Paris lebe, wie der Himmel dort voller Geigenhänge, wie man dort von morgens bis abends die Marseillaise und,.llin avant, nmrolrons!" und .Imür^stts anx obsvsux Pianos"singe, und Freiheit, Gleichheit und Brüderschaft an allen Straßenecken geschrieben stehe; dabei lobte er auch den Champagner seines