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8 (1898) Deutschland : 2
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22 Deutschland II.

vernarben kann. Ich empfinde in tiefster Seele diesen Triumph, daich einst die Niederlage so schmerzlich mit empfunden. Ich bin selbstein Veteran, ein Krüppel mit beleidigtem Herzen, und begreife denJubel armer Stelzfüße. Dazu habe ich auch die Schadenfreude, daßich die Gedanken lese auf den Gesichtern unserer alten Feinde, diegute Miene zum bösen Spiel machen. Es ist nicht ein neuer Mann,der jetzt auf dem französischen Thron sitzt, sondern derselbe NapoleonBvnaparte ist es, den die heilige Ällianz in die Acht erklärt hat, gegenden sie den Krieg geführt und den sie entsetzt und getötet zu habenbehauptete: er lebt noch immer, regiert noch immer — denn wie einstder König im alten Frankreich nie starb, so stirbt im neuen Frank-reich auch der Kaiser nicht — und eben indem er sich jetzt Napoleon Iii.nennen läßt, protestiert er gegen den Anschein, als habe er je auf-gehört zu regieren, und indem die auswärtigen Mächte den heutigenKaiser unter diesem Namen anerkannten, versöhnen sie das französischeNationalgefnhl durch einen ebenso klugen wie gerechtet, Widerruffrüherer Beleidigung.

Die Konsequenzen einer solchen Rehabilitation sind unendlich,und werden gewiß heilsam sein für alle Völker Europas, namentlichfür die Deutschen. Es ist nur schade, daß viele der alten Waterloo-Helden diese Zeit nicht erlebt. Ihr Achilles, der Herzog von Wellington,hatte davon schon einen Vorgeschmack, und bei dem letzten WaterlooDiner, das er mit seinen Myrmidoncn am Jahrestag der Schlachtfeierte, soll er miserabler und katzenjämmerlicher als je ausgesehenhaben. Er ist auch bald hernach verreckt, und John Bull steht anseinem Grab, kratzt sich hinter den Ohren und brummt: „So hallich mich nun umsonst in die ungeheure Schuldenlast gestürzt, die michzwingt, wie ein Galeerensklave zu arbeiten — was nutzt mir jetzt dieSchlacht bei Waterloo?" Ja, diese hat jetzt ihre frühere schnöde Bcdcutung verloren, und Waterloo ist nur der Name einer verlorenenSchlacht, nichts mehr, nichts weniger, wie etwa Crecy und Azincourt,oder, um deutsch zu reden, wie Jena und Ansterlitz.

Ich habe oben erwähnt, bei welcher traurigen Gelegenheit ichein Preuße wurde. Ich war geboren im letzten Jahre des vorigenJahrhunderts zu Düsseldorf, der Hauptstadt des Herzogtums Berg,welches damals dein Kurfürsten von der Pfalz geborte. Als diePfalz dem HauscBayern anheimfiel und der bayerische Fürst MaximilianJoseph vom Kaiser zum König von Bayern erhoben und sein Reichdurch einen Teil von Tirol und andern angrenzenden Ländern vergrößcrt wurde, hat der König von Bayern das Herzogtum Berg zugunsten Joachim Murats, Schwagers des Kaisers, abgetreten; diesemletzteren ward nun, nachdem seinem Herzogtum noch angrenzendeProvinzen hinzugefügt worden, als Grvßherzog von Berg gehuldigt.Aber zu jener Zeit ging das Avancement sehr schnell, und es dauerte