Geständnisse, 27
Nilthal geritten, aber sicherlich hat er dort keine Schlacht geliefert nndkeine Mamelucken verschluckt — Nein, dieser Katnelreiter war einChamäleon, aber kein Napoleon, er war kein Mameluckenfresser, erwar immer zahm und sanftmttulig, und als er im Februar 1848die Rolle eines provisorischen Löwen zu spielen hatte, brüllte er sozärtlich, so süßlich, so schmachtend, wie in der Shakespeareschen KomödieSnug der Tischler zu brüllen versprach, um nicht die Dainen zu er-schrecken — In den Kanzleien des Nordens erschrak wirklich niemandbeim Empfang der melodischen Manifeste des neuen französischenminislrs clss ntkairss stranAörss, den man mit Recht einen ininisirsstranAar aux atiairss nannte, und seine diplomatischen Meditationenund Harmonien belustigten sehr die Fürsten der absoluten Prosa —In der That, diese letzteren waren sehr beruhigt über die Ab-sichten des Löwen, welcher damals die Marseillaise des Friedens ge-zwitschert hatte, und sie waren vollkommen überzeugt, daß er keinNapoleon war, kein Kanonendonnergott, kein Gott des BlitzeS, keinBlitz Gottes — Sie hatten vielleicht schon lange vor uns die Be-merkung gemacht, daß jener zweideutige Mann nicht bloß kein Blitz,sondern gerade' das Gegenteil, nämlich ein Blitzableiter war, und siebegriffen, von welchem Nutzen ihnen eilt solcher sein konnte zu einerZeit, wo das ungeheuerlichste Volksgewitter das alte gotische Gesell-schaftsgebäude zu zerschmettern drohte —
Nicht ich habe Herrn de Lamartine einen Blitzableiter genannt;er selbst hat sich das Brandmal dieses Namens aufgedrückt. Dennwie es allen Schwätzern ergeht, denen nie die Plappermühle stillesteht, entschlüpften ihm einst die naiven Worte: man beschuldigte ihn,mit den Rädelsführern der republikanischen Partei gegen die Ordnungder Dinge konspiriert zu haben, ja, er habe mit ihnen konspiriert,aber wie der Blitzableiter mit dem Blitze konspiriere. Dieser falscheBruder war bei all seiner Dnplicität auch die Unfähigkeit selbst, undda er für einen Dichter gilt, so konnten jetzt wieder die prosaischenWeltleute darüber spötteln, was dabei herauskomme, wenn man einemDichter die Staatsangelegenheiten anvertraue. Nein, ihr. irrt euch;die großen Dichter waren oft auch große Staatsmänner; die Musensind ganz unschuldig an der gouveruemcntalen Jneptie des zwei-deutigen Mannes, und es ist noch eine Frage, ob das überhauptPoesie ist, was bei ihm die Franzosen bewundern. Seine Schön-rednerei, seine brillante Suade erinnert vielmehr an einen Rhetorals einen Dichter, So viel ist gewiß, der obantrs cl'LIoali sündigtenicht durch Überfluß an Poesie; er ist nur ein lyrischer Ehrgeizling,der uns in Versen immer gelangweilt und in Prosa immer düpiert hat.
Ich brauche wohl nicht besonders zu erörtern, daß erst am2, Dezember 1852 das französische Volk die vollständige Genugthunngempfing, wodurch die alte Wunde seines gekränkten Nationalgefühls