12 Deutschland II.
daß jeder Deutsche den ?rix Nontb^on verdiente — lind das alles,um den Kaiser zn nergeln, dessen Feinde wir damals waren.
Der Haß gegen den Kaiser ist die Seele dieses Buchesl'^IIsmaAns", und obgleich sein Name nirgends darin genannt wird,sieht man doch, wie die Verfasserin bei jeder Zeile nach den Tuilerienschielt. Ich zweifle nicht, daß das Buch den Kaiser weit empfindlicherverdrossen hat, als der direkteste Angriff, denn nichts verwundet einenMann so sehr, wie kleine weibliche Nadelstiche. Wir sind auf großeSchwertstreiche gefaßt, und man kitzelt uns an den kitzlichsten Stellen.
O die Weiber! Wir müssen ihnen viel verzeihen, denn sie liebenviel, und sogar viele. Ihr Haß ist eigentlich nur eine Liebe, welcheumgesattelt hat. Zuweilen suchen sie auch uns Böses zuzufügen, weilsie dadurch einem andern Manne etwas Liebes zu erweisen denken.Wenn sie schreiben, haben sie ein Auge auf das Papier und dasandere auf einen Mann gerichtet, und dieses gilt von allen Schrift-stellerinnen, mit Ausnahme der Gräfin Hahn-Hahn, die nur ein Angehat. Wir männlichen Schriftsteller haben ebenfalls unsere vorgefaßtenSympathien, und wir schreiben für oder gegen eins Sache, für odergegen eine Idee, für oder gegen eine Partei; die Frauen jedochschreiben immer für oder gegen einen einzigen Mann, oder, .bessergesagt, wegen eines einzigen Mannes. Charakteristisch ist bei ihnenein gewisser Cancan, der Klüngel, den sie auch in die Litteraturherüberbringen, und der mir weit fataler ist, als die rvheste Verlenmdnngswnt der Männer. Wir Männer lügen zuweilen. DieWeiber, wie alle passive Naturen, können selten erfinden, wissen jedochdas Vorgefundene dergestalt zu entstellen, daß sie uns dadurch nochweit sicherer schaden, als durch entschiedene Lügen. Ich glaube wahrhaftig, mein Freund Balzac hatte recht, als er mir einst in einemsehr seufzenden Tone sagte: „Im üomms gst nn strs cla,n^sranx.°
Ja, die Weiber sind gefährlich; aber ich muß doch die Bemerkunghinzufügen, daß die schönen nicht so gefährlich sind, als die, welchemehr geistige als körperliche Vorzüge besitzen. Denn jene sind gcwohnt, daß ihnen die Männer den Hof machen, während die andernder Eigenliebe der Männer entgegenkommen und durch den Köderder Schmeichelei einen größeren Anhang gewinnen, als die Schönen.Ich will damit beileibe nicht andeuten, als ob Frau von Staölhäßlich gewesen sei; aber eine Schönheit ist ganz etwas anderes. Siehatte angenehme Einzelheiten, welche aber ein sehr unangenehmesGanze bildeten; besonders unerträglich für nervöse Personen, wie eSder selige Schiller gewesen, war ihre Manie, beständig einen kleinenStengel oder eine Papierdüte zwischen den Fingern wirbelnd herum-zudrehen — dieses Manöver machte den armen Schiller schwindlicht,und er ergriff in Verzweiflung alsdann ihre schöne Hand, um siefestzuhalten, und Frau von Stasl glaubte, der gefühlvolle Dichter sei