Geständnisse. 13
hingerissen von dem Zauber ihrer Persönlichkeits) Sie hatte in derThat sehr schöne Hände, wie man mir sagt, und auch die schönstenArme, die sie immer nackt sehen ließ; gewiß, die Venus van Milohätte keine so schönen Arme aufzuweisen, Ihre Zähne überstrahltenau Weiße das Gebiß der kostbarsten Rosse Arabiens. Sie hatte sehrgroße schöne Augen, ein Dutzend Amoretten würden Platz gefundenhaben auf ihren Lippen, und ihr Lächeln soll sehr holdselig gewesensein. Häßlich war sie also nicht — keine Frau ist häßlich — so vielläßt sich aber mit Fug behaupten: Wenn die schöne Helena von Spartaso ausgesehen hätte, so wäre der ganze trojanische Krieg nicht ent-standen, die Burg des Priamos nicht verbrannt worden, und Homerhätte nimmermehr besungen den Zorn des Pcliden Achilles.
Frau von Stasl hatte sich, wie oben gesagt, gegen den großenKaiser erklärt, und machte ihm den Krieg. Aber sie beschränkte sichnicht darauf, Büchergegen ihn zu schreiben; sie suchte ihn auch durchnicht-litterarische Waffen zu befehden: sie war einige Zeit die Seelealler jener aristokratischen und jesuitischen Jntriguen, die der Koalitiongegen Napoleon vorangingen, nnd wie eine wahre Hexe kauerte siean dem brodelnden Topfe, worin alle diplomatischen Giftmischer, ihreFreunde Talleyrand, Metternich, Pozzo di Borgo, Castlereagh u. s. w.,dem großen Kaiser sein Verderben eingebrockt hatten. Mit dem Koch-löffel des Hasses rührte das Weib herum in dem fatalen Topfe, worinzugleich das Unglück der ganzen Welt gekocht wurde. Als der Kaiserunterlag, zog Frau von Stasi siegreich ein in Paris mit ihrem Buche
I'UiomuAns" und in Begleitung von einigen HunderttausendDeutschen, die sie gleichsam als eine pompöse Illustration ihres Buchesmitbrachte. Solchermaßen illustriert durch lebendige Figuren, mußtedas Werk sehr an Authenticität gewinnen, und man konnte sich hier durchden Augenschein überzeugen, daß der Autor uns Deutsche und unserevaterländischen Tugenden sehr treu geschildert hatte. Welches köstlicheTitelkupfcr war jener Vater Blücher, diese alte Spielratte, dieserordinäre Knaster, welcher einst einen Tagesbefehl erteilt hatte, woriner sich vermaß, wenn er den Kaiser lebendig finge, denselben aus-i hauen zu lassen. Auch unseren A. W. v. Schlegel^) brachte FrauVvn Stasl mit nach Paris, und das war ein Musterbild deutscher
*) In der französischen Ausgabe schließen sich dieser Stelle noch die Bemer-kungen an: „Auch war sie entzückt von Schiller, dessen warmes Herz sie zu schätzenverstand, wahrend ihr die Kälte Goethes mißfiel. In derselben Art hatten alleUrteile, welche Frau von Stasl über uns fällte, ihre Quelle in ihren persönlichenEindrücken, wenn sie nicht durch eine vorgefaßte Meinung, durch den Oppositions-geist, diktiert wurden. Wie schon bemerkt, sie sah in Deutschland nur das, wassie in einer polemischen Absicht zu sehen beliebte." Der Herausgeber.
**) „ Der sich gleichfalls als gewaltiger Eisenfresser gerierte und Mvlröre undRacine die Nute geben wollte," steht in der französischen Ausgabe.
Der Herausgeber.