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8 (1898) Deutschland : 2
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10 Deutschland II,

Ich verbürge nicht die Wahrheit dieser Geschichte; aber füllte sieauch unwahr sein, so bleibt sie doch gut erfunden, Sie schildert dieZudringlichkeit, womit die hitzige Person den Kaiser verfolgte. Erhatte nirgends Ruhe vor ihrer Anbetung, Sie hatte sich einmal inden Kopf gesetzt, daß der größte Mann des Jahrhunderts auch mitder größten Zeitgenossin mehr oder minder idealisch gepaart werdenmüsse. Aber als sie einst, in Erwartung eines Kompliments, an denKaiser die Frage richtete, welche Frau er für die größte seiner Zeithalte, antwortete jener:Die Frau, welche die meisten Kinder zurWelt gebracht," Das war nicht galant, wie denn nicht zu leugnenist, daß der Kaiser den Frauen gegenüber nicht jene zarten Zuvor-kommenheiten und Aufmerksamkeiten ausübte, welche die Französinnenso sehr lieben. Aber diese letzteren werden nie durch taktloses Benehmenirgend eine Unartigkeit selbst hervorrufen, wie es die berühmte Genferingethan, die bei dieser Gelegenheit bewies, daß sie, trotz ihrer phvsischenBeweglichkeit, von einer gewissen heimatlichen Unbeholfenheit nichtfrei geblieben.

Als die gute Frau merkte, daß sie mit all ihrer Andringlichkeitnichts ausrichtete, that sie, was die Frauen in solchen Fällen zu thunpflegen, sie erklärte sich gegen den Kaiser, räsvnnierte gegen seinebrutale und ungalante Herrschaft, und räsonnicrtc so lange, bis ihrdie Polizei den Laufpaß gab, Sie flüchtete nun zu uns nach Deutsch-land, wo sie Materialien sammelte zu dem berühmten Buche, dasden deutschen Spiritualismus als das Ideal aller Herrlichkeit feiernsollte, im Gegensätze zu dein Materialismus des imperialen Frank-reichs, Hier bei uns machte sie gleich einen großen Fund, Siebegegnete nämlich einem Gelehrten Namens August Wilhelm Schlegel,Das war ein Genie ohne Geschlecht, Er wurde ihr getreuer Ciceroneund begleitete sie auf ihrer Reise durch alle Dachstuben der deutschenLitteratur, Sie hatte einen unbändig großen Turban aufgestülpt,und war jetzt die Sultanin des Gedankens. Sie ließ unsere Litteratengleichsam geistig die Revue passieren, und parodierte dabei den großenSultan der Materie, Wie dieser die Leute mit einem;Wie alt sindSie? wieviel Kinder haben Sie? wieviel Dieustjahre?" u, s, w,anging, so frug jene unsere Gelehrten;Wie alt sind Sie? was habenSie geschrieben? sind Sie Kantianer oder Fichtcaner?" und dergleichenDinge, worauf die Dame kaum die Antwort abwartete, die der getreueMameluck August Wilhelm Schlegel, ihr Rustan, hastig in sein Nvtizen-buch einzeichnete. Wie Napoleon diejenige Frau für die größte er-klärte, welche die meisten Kinder zur Welt gebracht, so erklärte dieStasl denjenigen Mann für den größten, der die meisten Bücher ge-schrieben, Man hat keinen Begriff davon, welchen Spektakel sie beiuns machte, und Schriften, die erst unlängst erschienen, z, B, dieMemoiren der Karoline Pichler, die Briefe der Varnhagen und der