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8 (1898) Deutschland : 2
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8
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8 Deutschland II.

größerem Schein von Wahrhaftigkeit auch andere, z, B. meinen armenLandsmann Grimm, verleumden zu können? Oder macht er un-wahre Bekenntnisse, um wirkliche Vergehen darunter zu verbergen,da, wie männiglich bekannt ist, die Schmachgeschichten, die über unsim Umlauf sind, uns nur dann sehr schmerzhaft zu berühren Pflegen,wenn sie Wahrheit enthalten, während unser Gemüt minder verdrieß-lich davon verletzt wird, wenn sie nur eitel Erfindnisse sind. So bmich überzeugt, Jean Jacques hat das Band nicht gestohlen, das einerunschuldig angeklagten und fortgejagten Kammerjnngfer Ehre undDienst kostete; er hatte gewiß kein Talent zum Stehlen, er war vielzu blöde und täppisch, er, der künftige Bär der Eremitage. Er hatvielleicht eines andern Vergehens sich schuldig gemacht, aber es warkein Diebstahl. Auch hat er seine Kinder nicht ins Findclhaus ge-schickt, sondern nur die Kinder von Mademoiselle Therese Levasseur.Schon vor dreißig Jahren machte mich einer der größten deutschenPsychologen auf eine Stelle der Konfessionen aufmerksam, worausbestimmt zu deduzieren mar, daß Rousseau nicht der Vater jenerKinder sein konnte; der eitle Brummbär wollte sich lieber siir einenbarbarischen Vater ausgeben, als daß er den Verdacht ertrüge, allerVaterschaft unfähig gewesen zu sein. Aber der Mann, der in seinereigenen Person auch die menschliche Natur verleumdete, er blieb ihrdoch treu in Bezug auf unsere Erbschwäche, die darin besteht, daßwir in den Augen der Welt immer anders erscheinen wollen, alswir wirklich sind. Sein Selbstpvrträt ist eine Lüge, bewunderungs-würdig ausgeführt, aber eine brillante Lüge. Da war der Königder Aschantis, von welchem ich jüngst in einer afrikanischen Reisebeschreibung viel Ergötzliches las, viel ehrlicher, und das naive Wortdieses Negerfürsten, welches die oben angedeutete, menschliche Schwächeso spaßhast resümiert, will ich hier mitteilen. Als nämlich der MajorBowditsch in der Eigenschaft eines Ministcrresidenten von dem englischen Gouverneur des Kaps der guten Hoffnung an den Hof jenesmächtigsten Monarchen Südafrikas geschickt ward, suchte er sich die.Gunst der Höflinge und zumal der Hofdamen, die trotz ihrer schwarzenHaut mitunter außerordentlich schön waren, dadurch zu erwerben, daßer sie porträtierte. Der König, welcher die frappante Ähnlichkeit be-wunderte, verlangte ebenfalls konterfeit zu werden und hatte demMaler bereits einige Sitzungen gewidmet, als dieser zu bemerkenglaubte, daß der König, der oft aufgesprungen war, um die Fortschritte des Porträts zu beobachten, in seinem Antlitze einige Unruheund die grimassierende Verlegenheit eines Mannes verriet, der einenWunsch auf der Zunge hat, aber doch keine Worte dafür finden kann der Maler drang jedoch so lange in Seine Majestät, ihm ihrallerhöchstes Begehr kund zu geben, bis der arme Regcrkönig endlichkleinlaut ihn fragte: ob es nicht anginge, daß er ihn weiß malte -