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1 (1867)
Entstehung
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Salon häufig gegen die vornehme, kühl ablehnende Kunstbehaglichkeit, mitwelcher sich der alternde Goethe den tiefsten Interessen der Gegenwart ver-schloss, und sich mehr und mehr in seine naturwissenschaftlichen Liebhabereienversenkte. Die vielseitigen literarischen Debatten hatten jedoch für Heinedie nützliche Folge, dass er sich ernstlicher als bisher mit dem Studiumvon Goethe's Werken beschäftigte, und dadurch einen festeren Standpunktdes Urtheils gewann. Nach kaum zwei Fahren konnte er der Freundinmelden „Ich habe jetzt, bis auf eine Kleinigkeit, den ganze Goethegelesen!!! Ich bin jetzt kein blinder Heide mehr, sondern ein sehender.Goethe gefällt mir sehr gut." Als nun gar die „falschen Wanderjahre"erschienen, und eine frömmelnde Moral gegen die heiter hellenische Kunst-richtung Wilhelm Meister's zu Felde zog, da bedauerte Heine schmerz-lich, dass sein juristisches Brotstudium ihn verhindere, „den Goethe'schenBefreiungskrieg als freiwilliger Jäger mitzumachen" '°2). denken

Sie hin," schrieb er einige Fahre später, als Goethe sich unvortheilhaftüber ihn geäußert hatte, an Varnhagen „Ich, Ich gegen Goetheschreiben! Wenn die Sterne am Himmel mir feindlich werdeü, darf ichsie desshalb schon für bloße Irrlichter erklären? Überhaupt ist es Dumm-heit, gegen Männer zu sprecken, die wirklich groß sind, selbst wenn manWahres sagen könnte. Der jetzige Gegensatz der Goethe'schen Denkweise,nämlich die deutsche Nationalbeschränktheit und der seichte Pietismus, sindmir ja am fatalsten. Desshalb muss ich bei dem großen Heiden aushalten,hunuä msms. Gehöre ich auch zu den Unzufriedenen, so werde ich dochnie zu den Rebellen übergehen." Im Zum 1323 schrieb Heine auf Varn-hagen's Aufforderung für Dessen Festgabe zu Goethe's drei und siebenzig-stem Geburtstage: „Goethe in den Zeugnissen der Mitlebenden" einen län-geren Aufsatz '^), in welchem er die Bedeutsamkeit des erwähnten Gegen-satzes zwischen der Goethe'schen Denkweise und der pietistischen Richtungder Zeit vermuthlich scharf betont haben wird. Wie er au Moser be-richtet, traf der Aufsatz, nach Varnhagen's Angabe, zu spät ein, um demBuche einverleibt zu werden; doch glaubt Heine, dass dieser Grund nurein Vorwand sei, und die Idee seiner Abhandlung Varnhagen nicht ge-fallen habe. „Wirklich, meine Aufsätze werden immer schlecht, wenneine vernünftige Idee darin ist," fügt er spöttisch hinzu. Die Arbeit istleider verloren gegangen; wenigstens hat sie sich in dem Varnhagen'schenNachlasse nicht vorgefunden.