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Ein verschollenes Adelsgeschlecht der Oberlausitz in Preussen : [Koblitz oder Colbitz] ; nebst einigen Gedanken über die Nationalität alter oberlausitzircher Adelsgeschlechter
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Ein verschollenes AdelSgcschlccht der Obcrlausitz in Preußen. ZZ

einen Vetter ausgegeben, aber keiner sei, verliehen habe. Er beklagt sich nunhierüber und bittet den Herzog, ihm. da der schon hoch betagte und keinemännlichen Leibeserben habende Eindringling kein echter Kalbitz sei, für dener sich fälschlich ausgebe, auch ein anderes Wappen als sein Geschlecht führe,nach dessen Tode das Lehngnt zu verleihen.') Ob Markgraf George Friedrich,der Administrator des Herzogthnms Preußen, auf dieses Gesuch eingegangen,habe ich nicht ermitteln können- jedenfalls erscheinen die v. Kalbitz in Preußenspäter nicht im Besitz jenes Lehngutes (Wessolomen) im Oletzkoschea.

Für den Zweck dieser Abhandlung interessirt es nicht, weiter ans dieNachkommenschaft Hansens v. Kalbitz und die spätere Genealogie des Geschlechtsüberhaupt einzugehen^) wir führten bereits oben an, daß es im Jahre1762 durch den auf dem Felde der Ehre erfolgten Tod des Majors OttoLudwig v. Kalbitz rühmlich beschlossen wurde.

Im Vorstehenden wird der Beweis geführt sein, daß das in Preußenseit dem Ende des IS. Jahrhunderts mit den Formen Kolwas, Kolwis,Kolbas, Kolweps und zuletzt Kalbitz (Colbitz) auftretende Adelsgeschlecht einZweig der oberlausitzischen Adelsfamilie, deren bekannte Mitglieder (in derZeit van 1409 bis 1519) den Namen Kolowas und Kolwatz führen, gewesenist. Es ist ferner festgestellt, daß das Wappen der Preußischen Familienicht in drei Schildchen, sondern in 3 gestürzten (Linden-) Blättern bestand,demzufolge die in derselben Anordnung von den oberlausitzischen v. Kolowasgeführten, in ihren Contonren denen jener sehr ähnlichen Schildfiguren, waseine nochmalige genaue Betrachtung der beiden Siegel zeigen wird, alsgestürzte Blätter aufzufassen sein werden. Endlich ist es von dem Historio-graphen des oberlausitzischen Adels als unzweifelhaft festgestellt worden,daß die Familie v. Kolowas ihren Namen dem gleichnamigen, jetzt Kohlwehsagenannten Orte in der Oberlausitz entlehnt habe.

Mustern wir die Reihe der in dem Werke Knothe's aufgeführtenAdelsgeschlechter, so erblicken wir zwei große Gruppen von Familien, nämlich:1) solche, deren Einwanderung ans einem der Nachbarländer — Schlesien,Böhmen, Meißen und der Niederlansitz — festgestellt und nachgewiesen istoder doch bei denen ihr früheres Vorkommen in einem jener Länder urkundlichbezeugt ist und 2) solche, bei denen ein solcher Nachweis nicht möglichgewe'en ist und die zumtheil, so weit sie Localnamen führen, diese vonOrtschaften der Oberlausitz, meistens wendischen oder slavischen, hergenommenhaben. Zu ersterer Kategorie würde ich etwa 95, zu letzterer etwa 67 Familienanführen können. Wenn wir unter letzteren auch Geschlechter mit deutschenNamen antreffen, z. B. die v. Bischofsheim, Bloßdorf, Gerlachsheim, Gersdorf,Heinrichsdorf, Landskron, Rosenhain, Rothenburgs?), Schreibersdorf, Schwobs-dorf, Warnsdorf und Weigsdorf, so ist es bekannt und bedarf keines Beweises,daß, wenn sich Einzöglinge deutscher Nation auch nur sehr selten — meistensnur vorübergehend — nach in ihren Besitz gelangten Ortschaften deutscheroder wendischer Zunge einen neuen Geschlechtsnameu (unter Aufgebung ihresschon bestehenden, ererbten und mitgebrachten) beilegten und beigelegt erhielten,

st Akten des Staatsarchivs zu Königsberg.

st Vergl. v. Mülverstedt, Dipl. Itsbm-Asnsö II. p. 827.