12 Ein verschollenes Ndclsgcschlecht der Oberlnusitz i» Preußen.
deren mehr als sechs, die sämmtlich gleichzeitig lebten, unterscheiden und allesind durch mannigfache Urkunden bezeugt, die einzeln nach ihrer früherenund bezw. Heuligen Archivbezeichnung anzuführen uns erlassen sein möge, dadies für den vorliegenden Zweck unnöthig erscheint. Jedenfalls ersehen wiraus der verhältnißmäßig großen Zahl dieser Personen, gegenüber den drei,welche die oberlausitzische Familie als deren bisher einzige nachweisbare Amgehörige repräsentiren, daß dieselbe damals nicht so arm an Mitgliedern undso wenig ausgebreitet gewesen sein kann, wie es nach dem über sie Bekanntenden Anschein haben müßte. Freilich sind zahllose Privaturkunden des ober-lausitzischen Adels und überhaupt sehr viele oberlausitzische Haus-, Vogtei-und Gerichtsbücher den kriegerischen Zeiten und der Verwahrlosung zumOpfer gefallen.
Wir werden sehen, daß die Genealogie der in Preußen auftretendenv. Kalbitz vor dein Jahre 1530 in einigen Punkten mit Schwierigkeiten undZweifeln verbunden ist. Daß mehrere oberlausitzische Familien in denDeutschen Ritterorden eintraten, beweist nichts für ihre Wohlhabenheit oderein besonderes Ansehen, in dem sie gestanden hätten. Denn die Listen derOrdensritter zeigen, daß seit den 15. Jahrhundert gerade sehr viele armeund unbedeutende Geschlechter es waren, deren jüngere, auf eiu geringesErbtheil und kaum auf ein eigenes Landgut Anspruch habende SöhneVersorgung und Unterhalt durch Aufnahme in den Deutschen oder einenandern geistlichen Ritterorden nachsuchten, wenn sie nicht anderweite Kriegs-ader Hofdienste nahmen, zu deren Durchführung öfters ein größerer Auf-wand nöthig war, als ihn die Mitgliedschaft des Ordens dauernd erforderte.
Die in Preußen während des beregten Zeitraumes von etwa 50 Jahrenauftretenden Mitglieder der Familie sind folgende.
1. George von Kalbitz.
Er erscheint am frühesten von seinem Geschlecht in Preußen. Ob erallein oder zugleich mit seinem unten genannten Bruder den Eintritt in denDeutscben Orden nachgesucht und erhalten hat, läßt sich nicht mehr nach-weisen. Möglicherweise war er ein Sohn des bei Knothe a. a. O. genanntenim Jahre 1478 lebenden Daniel v. Kolowas auf Zschorna. Seine Aufnahmein den Orden wird wohl einige Jahre vor 1480 erfolgt sein, da er —zuerst — schon 1482 als Compan des Pflegers zu Tilsit erscheint;bereits im Jahre darauf und zwar in einer Urkunde vom 8. Mai wird erals Pfleger zu Tilsit genannt, wobei sein Name Kollwepß geschrieben wirdZ)aber es findet sich nicht bemerkt, wie lange er dieses Amt verwaltet habe.Sein Nachfolger Bernhard v. Dalheim kommt 14 93 zuerst vor und mandarf annehmen, daß er bis zu dieser Zeit sein Amt verwaltet habe, inwelcher seine Versetzung nach Johannisburg als Pfleger erfolgt seinwird. Als solcher zeigt er sich nach Voigts Angabe") zuerst am 30. Juni1495, allein da ein anderer Pfleger vor ihm in der Zeit von 1493—95nicht nachweisbar ist, wird er sein Amt wohl schon im erstem Jahre ange-treten haben, in welchem sein Vorgänger Friedrich v. Guttenberg nur bis
2) Voigt Namcncodex S. 106.
Namencodcx S. 88.