Ein verschollenes Adclsgeschlccht der Oberlausitz in Preußen. 11
v. Kalbitz betrachtet werden. Wo der Wohnsitz des außerhalb Preußens gesessenenHans v. K. belegen war, werden wir gleich ersehen.
6) Im Jahre 1527 überreichten Martin und Ernst v. Weißbeck demHerzoge Albrecht von Preußen eine Abschrift des Lindenau'schen Testamentsals Bevollmächtigte der Erben Hanseils v. Lindenau, als welche sie namhaftmachen Hans v. Colbitz und dessen leibliche Schwester Anna, beidein der Oberlausitz gesessen, sowie die Gebrüder Daniel und Georgev. Colbitz. Sie hätten erst 30 Mark aus der Nentkammer empfangen undsucheil nun schon ins vierte Jahr die Auszahlung der noch schuldigenGelder nach.
Es dünkt mich nicht zweifelhaft zu sein, daß die drei KlosterjungfrauenTöchter des obigen Hans v. K. gewesen sind, der 1517 „draußen" und 1527als in der Oberlausitz gesesseil bezeichnet ist. Obige Urkunde, hätte sie mireiilst vorgelegen, würde wohl auf die Herleitung der Familie aus der Ober-lausitz und nicht aus Sachseil oder Meißen geführt haben. Aber vergeblichhätten wir nach einer Familie v. Kalbitz oder Colbitz in der Oberlalisitz gesuchtund schwerlich auf ihre Identität mit den v. Kolowas oder Kolwatz daselbstgeschlossen, die überhaupt erst in neuester Zeit durch Knothe's Verdienst nach-gewiesen worden sind und um so weniger hätten hier vage VermuthungenPlatz greifen können, als erst seit einigen Wochen das dem der Preußischenv. Kalbitz nur entfernt ähnliche Wappen der oberlausitzischen v. Kolowas bekanntgemacht vorliegt. Und kannte nicht die Niederlassung Hansells v. Kalbitz inder Oberlausitz als des Ersten seines Stammes, etwa veranlaßt durch einenoder mehrere oberlausitzische Edelleute, die sich in Preußen aufhielten undihm Lust machten, mit in ihre Heimath zu ziehen, erfolgt sein?
So wäre also aus jenem Umstände allein ein sicherer Beweis für dieHerkunft der v. K. aus der Oberlalisitz nicht zu entnehmen, indeß gewinnendadurch die aus den vorhergehenden Momenten gezogenen Schlüsse eine besondereBedeutung und sind ein neuest Glied in der Kette der Argumente für dieGewißheit der Identität der Familie v. Kalbitz (Kolwas) in Preußen lindder v. Kolowas in der Oberlalisitz sowie für die Herkunft der Ersteren ausletzten» Lande.
Was die in Preußen gebräuchliche Namensform der v. Kolowas oderKolwatz anlangt, so zeigt sich die später dauernd gebräuchliche Form Kalbitzoder Colbitz zwar zuerst in dem Lindenau'schen Testamente von 1517, dannaber erst allgemeiner gegen Ende des 16. Jahrhunderts, während noch 1581und 1607 der Name Kolwitz geschrieben wird und die Deutsch-OrdenSritterund ihre Brüder soivie deren Nachkommen einmal KolweysZ) meistensaber Kolbas, Kolwas, Kolbas, Kolwis in der Zeit von 1195—1527 sichschrieben oder geschrieben werden.
Es erübrigt nun noch, von den Mitgliedern der Familie zu handeln,welche sich am frühesten — in der Zeit von etwa 1180 bis 1530 — i»Preußen in verschiedenen Stellungen und Verhältnissen zeigen. Wir können
i) Voigt, Namcncodcx S. 10g, also in der an vcn heutigen Nainen des Stammguteserinnernden Form. Dadurch irre geführt hat Voigt auch den Pfleger zu Tilsit Georgev. Kolweys und den Pfleger zn Johannisburg George „v. Kalbitz" für zwei verschiedenePersonen gehalten. Ebendas. S. 85 und Register S. 135.