Ein verschollenes Adclsgeschlecht der Obcrlausitz in Preußen, g
uilzutreffeiideii Meinung Anlaß gab, die Heiinath des Geschlechts in Sachseiloder Meißen zu suchen, müßte aber zunächst nothwendig schließen lassen,daß die drei Jungfrauen nicht in Preußen ihre Heiinath hatten (wo zu ihrerZeit Träger mit der Namensform Kalbitz überhaupt nicht vorkommen, viel-mehr Kolivas, Kolwis, Kolbas rc. heißeil), sondern nur in Meißeil oder derbenachbarten Oberlausitz. Wir finden indeß hier kein Geschlecht v, Kalbitz,sondern nur ein solches mit dem ähnlich klingenden Namen Kolowas oderKolwaz. Sehen wir aber gleichzeitig mit jenen Jungfrauen Töchter aus sehrbekannten Adelshäuseru der Ober- und Niederlausitz, der v. Baudissin,v. Maxen lind v. Stutterheim im Kloster Seuselitz H, so verstärkt auch dieserIlmstand den Beweis ihrer Zugehörigkeit zu einem oberlausitzischen Adels-geschlecht.
5) Wir können aber fast den Weg verfolgen, den diese geistlichenJungfrauen in das Kloster Seuselitz genommen haben oder selbst die Motivedazu nachweiseil.
Ein Mitglied eines alten vornehmen, noch blühenden MeißnischenGeschlechts, Hans v. Lindenaus hatte für seine Forderungen an den Deutschen
i) Klotzsch und Grundig a. a. O,
ch HanS v, L. war s, Zeit eine sehr angesehene und bekannte Persönlichkeit. Esliegt im Königl. Staatsarchiv zu Königsberg eine bedeutende Zahl von Urkunden und sonstigenSchriftstücken vor, die ihn entweder betreffen oder erwähnen, mitunter zugleich auch seinenBruder Friedrich v. Lindenau, der beim Ausbruche des Bundeskricges >154 als Söldnerder Schlieben'schcn Rotte dem Orden diente und zwar 13 Jahre mit 4 und 12 Jahre mit1 Pferde, wofür er nebst dem Ersatz für 15 verlorene Pferde (von denen 3 „in der Schlacht"fielen), 496 fl. Sold zu forvcrn hatte. Beide sind im Jahre 1481 und sonst noch aus-drücklich als Brüder bezeugt; Friedrichs Soldfordcrung deckte Hans v, Hundertmark, derdafür vom Orden 1483 schadlos gehalten wurde. Außerdem erhielten beide Brüder unterm23. Juni 1481 die Güter Fuchsberg und Zielkeim (im Samlande unfern von KönigS'-crg)verschrieben, nachdem sie schon 1473 mit anderem Grundbesitz (gleichfalls nahe bei Königs-berg, Lauth, Guttenfcld ic.) belehnt worden waren.
Was Hans v, Lindenau anlangt, so erscheint er bis zu seinem 1518 erfolgten Todeals ein wohl-, wenn nicht reichsbemittcltcr, hochangcsehener Mann, der sich den Orden undseinen Hochmeister vielmals verpflichtet gemacht hatte. Wir können nicht erkennen, auswelcher Veranlassung und in welchen Verhältnissen er nach Preußen gekommen war; unterden Söldnern finde ich ihn nicht, auch in Voigt's Namcucodcx fehlt er, nicht minder seinBruder Friedrich, wie denn überhaupt das Verzeichnis; dortselbst sehr lückenhaft ist. Wirmögen hier nur einige hauptsächliche Daten über ibu anführen. Im Jahre 1484 bekundeteHans v. Tettau auf Sira nebst seiner Ehefrau AgncS zu Nienburg am Tage der11969 Jungfrauen, den ihm vom Orden rückständigen Sold durch Hans v. Lindenau aus-gezahlt erhalten zu haben. Außer den obigen Gütern besaß er noch im SamlandeRadnicken, Lindenau und Poleipcn, im Rastcnburgischen Wcttcnkcim u. a. m. (1493). ZuEnde des 15. und zu Anfange des 16. Jahrhunderts naht» er mehrmals an den Festlich-keiten Theil, welche die Hochmeister zu Fastnacht auf dein Schlosse zu Königsberg gelegentlichder Hochzeitsfeier ihrer Hofkavalicre und der Hofjungfraucn dein Adel und den angesehenstenVasallen gaben. Er wurde 1597 hochmcisterlicher Rath und erhielt diese Bestallung später-hin erneuert. Aber schon 1591 hatte ihn die Landschaft dem Hochmeister zum Ratkcpräsentirt. Im Jahre 1599 zog er, um an der Feier des Jubel- und großen AblaßfestesTheil zu nehmen, nach Rom und bat bei dieser Gelegenheit den Hochmeister um ein Fürbitt-schreibcn beim Herzoge George von Sachsen in seiner Streitsache mit einem Vasallen des-selben Namens in Haubitz. Im Jahre 1592 erscheint er als Vormund eines im Rasten-burgischen wohnenden Edelmannes Heinrich v. Hayn, wobei er mehrfach ausdrücklich als imRastcnburgischen gesessen bezeugt wird. Daß Hans v. Lindenau, dessen zwei Schwestern1517 (hochbctagt) sich im Kloster Seuselitz befanden, wie wir sehen werden, keine