8 Ein verschollenes Adelsgcschlccht der Oberlausitz in Preußen,
Punkt zurückkommen bei Beantwortung der Frage, ob die Familie zumeingeboruen oder zum eingewanderten Adel der Oberlausitz zu zählen sei.
Das Geschlecht v. Kolomas erlosch keineswegs überhaupt bald nachdem Jahre 1519, in welchem es zuletzt genannt wird, in seinein Vaterlande;es blühte damals kräftig im fernen Preußenlande weiter fort, das schon somanchen Zweig der oberlausitzischen Ritterschaft aufgenommen hatte und ihmeine zweite Heimath geworden war.^) Es war hier auch nicht so klein,d. h, wenig ausgebreitet, wie es in der Oberlausitz den Anschein hat. Denngegen das Ende des 15., möglicherweise zum Theil in den ersten Jahreil des16, Jahrhunderts traten zwei Brüderpaare aus dem Stamme der v. Kolowasoder Kolwaz in den Deutschen Ritterorden in Preußen bezw. in Livland einund von ihnen wurde Einer der Ahnherr der Preußischen v. Kalbitz (Calbitz),deren Haus hier — wenn auch stets in sehr bescheidenen Verhältnissen —25V Jahre lang bis zu seinem 1762 erfolgten Erlöschen bestanden hat.
Die Abkunft der letzteren von den oberlausitzischen v. Kolowas zubeweiseil, wird die Aufgabe für das Folgende sein. Dieser Beweis wirdgeführt
1) durch die Namensgleichheit, da die ersteil Mitglieder der PreußischenFamilie bezw. die in Preußen sich überhaupt zeigenden Blutsverwandten ihresersten Ahnherrn mit derselben Namensform auftreten, wie sie bei der ober-lausitzischen Familie nachweisbar sind,
2) durch die Uebereinstimmung der Taufuameu, welche die bekanntgewordenen Mitglieder der oberlausitzischen Familie v. Kolowas oder Kolwaztragen, mit denen, welche die obigeil in Preußen erscheinenden Ahnherreil derPreußischen Familie und ihre Seitenverwandten führen, nämlich Peter,Daniel und Hans,
3) durch die Gleichheit der Wappen beider Familien. Denn die drei„Schildchen" in dem Schilde der Oberlausitzischen Familie, wie sie uns aufden Siegeln Peters v. Kolwas von 1409 und Hansens v, Kolwaz (Cholwaz)von 1478 Knothe vorführt, sind, wie ich ohne Anstand ans das Zuversichtlichstebehaupte, nur mißverstandene oder auf den Originalen undeutlich gewordeileBlätter (gestürzte Lindeublätter), welche die Siegel der Preußischen Peterv. Kolwas von 1495 und Georgs v. Kolbas von 1512 klar und unziveudeutig aufweisen, wie die Uebereinstiinmung der Schildfiguren sich bei einernachprüfenden nochmaligen Besichtigung der beiden Bautzener Siegel ergebe»muß und wie schon bemerkt, spricht dafür auch die leise angedeutete Aederungder Figuren auf dem oberlausitzischen Siegel von 1409 (Bad. VI. Nr. 93),
4) ferner dadurch, daß wir drei mit dem Namen „Kalbitz" auf-tretende Jungfrauen im Jahre 1544 in dem in Meißen unfern der ober-lausitzischen Grenze belegenen Kloster Seuselitz finden/) nämlich Gertrud,Barbara und Magdalena „v. Kalbitz". Dieser Ilmstand, der mit zu der
0 Z, B, die v, Knobloch, v. Gerlachsheim, v, Nostitz u, a, IN.
Klotzsch und Grundig, Sammlung verm. Nachrichten z. Sachs. Gesch. VI. p. 162und schon früher Saxonia duriosa 1734 S. 282 und 1762 S. 229. Die drei ehemaligenConvcntualiuncu des Klosters S., Gertrud, Barbara und Magdalena v. Kalbitz (Kölbitzsch,Kolbitzsch) erscheinen 1643 — 1548 unter den abgefundenen Nonnen des Klosters. Actendes Hauptstaatsarchivs zu Dresden.