Ein verschollenes AdclZgcschlecht der Oberlausitz in Preußen, 7
Daß der Name von Kohlwesa — Kolowas dem wendischen Sprach-idiom angehört, hat schon Knothe angedeutet und es kann überhaupt uichtzweifelhaft sein, Analogien aus dem Wendischen bietet nicht nur der nochheute öfters bei Familien vorkommende Name Dornewas dar, sondern ganzvornehmlich der Name des Dorfes und Ritterguts Nasephas nahe bei Alten-burg, in dem fast ganz wendischeil Osterlande. Daß die letztere, man möchtesagen gelehrt umgewandelte Namensform nicht die ursprüngliche war, sondernNasewas gelautet hat, beweist der von dem Orte benannte und ihn wahr-scheinlich damals noch besitzende, 1172 urkundlich auftretende Henricusde Nosewaz, welcher 1188 Nosewatz heißt/) während der Name des Ortesin den Formen Rosewas, Nasemefaß und Nasavaz schwankt/) Ein außer-ordentlich instructives Beispiel für die Schwankungen in dem FamiliennamenKalbitz und den Uebergang der früheren Namensformen in diese letztere giebtdie Familie v. Schaderitz im Meißnerlande, deren Name in den FormenCczadras, Czetteras, Czeteros (elr. Kolbas), Zschaderis (elr. Kolwis),Zschadras, Celeras, Zschadraß ic. variirt, bis sich' endlich daraus Schaderitzoder Zschaderitz entwickelt/) Auch die Forin Scaderus (akr. Kolebus)kommt vor/)
Als erstes urkundlich bezeugtes Mitglied des Geschlechts vermag Knothenur erst 1109 den Östrus Coloivan auf Beiersdorf (nordöstlich von Oppach)nachzuweisen. Auf ihn folgt erst fast 70 Jahre später Daniel v. Kolowasauf Zschorna (östlich bei Kohlwesa, den: Stammsitz der Familie) und alsLetzter ein Hans Cholwatz, der das Bürgerrecht in Kamenz gewonnen hatteund 1514 und 1519 bezeugt ist, in welchem letztern Jahre er sein GutLückersdorf an die v. Maltitz veräußerte.
Bald darauf muß die Familie in der Oberlausitz erloschen sein, da sievon Knothe im 2. Dheile seines genannten Werkes nicht mehr erwähnt wird.Der Eindruck, den wir aus diesen Nachrichten gewannen, ist der, daßdie Familie v Kolowas oder Cholwatz zu den kleinsten, unbedeutendsten undstets an Mitgliedern armen in der Oberlausitz gehört hat. Daß wir uns inletzterem Punkte irren, werden die späteren Blätter lehren. Die Ansichtvon den Verhältnissen, in denen sich die Familie befand, würde ihrspätes Eintreten in die Geschichte bestätigen. Wir werden aber auf diesen
Stammsitz war, crgiebt sich nicht nur aus der ganz verschiedenen Namcnsforin und ab-gesehen davon, daß die Familie in der Oberlausitz niemals unter dem Namen Kalbitzerscheint, sondern auch daraus, daß dieser Ort eigentlich Koblitz lncß und erst allmählichspäter (seit dem IN Jahrhundert) die Namcnsforin Kalbitz erhielt. Das Dorf gehörtemindestens seit dem Anfange des 16. Jahrhunderts den v. Schreibersdorf, bis es 1666 oder1607 Heinrich v, Nostitz erkaufte,
Schumann, Lexicon von Sachsen VIII. S, 769 und 5. Snpplementband S. 351.2) Vergl, aber besonders v, d, Gabclcntz, Die ausgestorbenen Familien deS OstcrlandesS. 132, >33 Heinrich v, R. kommt auch noch 1191 mit der Namensform Rosarvatz vor.Die v. R. (nunmehr „Rascphas") sind bis 1413 herab urkundlich bezeugt und ihre Mit-glieder heißen bald libsri, bald nobile«. Vgl. auch die Nachträge dazu S. 24, Verwandtsind die Formen des Namens Gorbuz und Gordemitz bei einer andern AdclSfamilie, I. e, S. 63.ch v, d. Gabclcntz I. o. p, 186 ff,
Ebcndas, Nachträge S, 35. Von den Contrahirungcn, welche die deutsche Zungemit den wendischen Orts- (u. Familien-) Namen vornahm, bietet die Familie v, Nobitz einbezeichnendes Beispiel (Ebcndas. S. 112 ff,). Vgl. die Namen Biebriesc (alt: Vslovs8(s)in Schlesien und Nippcrwiese in Pommern.