4 Ein verschollenes Adelsgcschlccht der Oberlansitz in Preußen.
kleinsten und unbedeutendsten Preußens mit Hunderten anderer Geschlechtergehörte. Und doch enthielten die Königsberger Archive, d. h. die des Ost-preußischen Etatsministeriunis, der Kriegs- und Domainen-Kannner, dasLehnsarchiv des Oberlandesgerichts (von den Kirchenbüchern ganz abgesehen)eine nicht unbeträchtliche Zahl von Urkunden und Schriftstücken vom Endedes 15. bis um die Mitte des 18. Jahrhunderts, welche ausführliche Nach-richten über die einzelnen Mitglieder der Familie und deren Grundbesitz dar-boten, wobei auch Abdrücke ihres Wappens nicht fehlten, das sich in mehrals einem handschriftlichen heraldischen Werke älterer Zeit finden ließ. Endlichhatte ich selbst Veranlassung, vor 40 Jahren von der Familie kurz zuhandelnd) Durch die seitdem aufgefundenen Nachrichten lassen sich die Datenüber das Erlöschen des Geschlechts dahin erweitern, daß dasselbe am3. December 1762 durch den Tod des seinen in der Schlacht bei Frei-berg empfangenen Wunden erlegenen Königl. Preuß. Majors beim Infanterie-Regiment v. Stutterheim/ Otto Ludwig v. Kalbitz/ erlosch.
An letzterer Stelle nannte ich das Geschlecht ein altsächsisches, ohne denBeweis dafür führen zu können, sondern nur durch Vermuthungen geleitet,einmal, weil wenigstens unter den Ortschaften des Erzstifts Magdeburg einemit dem Namen Kalbitz/ existirt, auf die doch der zweimal im Jahre 1197genannte Imckolpluis äs Xolbi? zurückzuführen ist/ und sodann weil sichunter den Conventnalinnen des aufgehobenen meißnischen Klosters Senselitzim Jahre 1543 drei Fräulein v. Kalbitz befanden/) welcher Umstand daraufhinzudeuten schien, daß es ein meißnisches oder sächsisches Geschlecht sei, demsie entsprossen waren. Wir werden sehen, daß der Eintritt jener drei Jung-frauen in das meißnische Kloster auf ganz andere Verhältnisse zurückzuführenist und daß auch ein etwanigcs Anlehnen der Familie an das oberlausitzische,zwei Stunden nördlich von Bautzen belegene Dorf und Rittergut Kalbitz oderColpitz/ irrig gewesen wäre. Der meistens die Heimath der PreußischenAdelsfamilien erwähnende, Ende des 17. Jahrhunderts schreibende Jnster-burger Pfarrer itl. Samuel Prätorius, der im 18. von den einzelnen Adels-geschlechtern Preußens handelnden Buche seiner handschriftlichen „PreußischenSchaubühne" auch die v. Kalbitz aufführt'/, schweigt über die Heimath derFamilie, aber er giebt wenigstens schon ihr Wappen an, wenn auch in ver-kehrter Erkenntniß der Schildfiguren.
Die Zweifel an der Nichtigkeit der Vermuthung, in Sachsen oderMeißen die Heimath der Preußischen v. Kalbitz zu sehen, mußten sich aber
') Neue Preuß. Prov.-Blätter Band XIv. S. 174.
2) Nicht dein bekanntern Regiment Nr. 2, jetzigen 1. Ostprcuß. Grenadier-Regiments,sondern dem in Anklam garnisonircnden Regiment Nr. 30.
2) Königsb. Zeitung 1763 S. 824.
4) Im Kreise Wolmirstedt mit einem bekannten Jagdhausc.
/ Er erscheint neben anderen nach Orten der Umgegend von Kalbitz benanntenEdclleutcn in zwei Urkunden des Bischofs Gardolf von Halberstadt. Ksrellsn E. 1). örnnä. I.p. 13-16 und 17-18. Danach bei Riedel 0. v. Lrnncl. It. XVII. p. 421. 422. 423.6) Klotzsch und Grnndig, Sammlnng verm. Nachr. z. d. Sachs. Geschichte VI. S. 126."0 Schumann, Lexicon von Sachsen V. zi. 48.
ch „ Die v. Kalbitz im Barttischen. Der Erste, George, hatt eine Knoblochin gehabt."Original im Geh. Staatsarchiv zu Berlin, Abschrift im Staatsarchiv zu Königsberg.