231
Im Herabsteigen führten uns die Janitscharcn, umden Weg abzukürzen, einen Pfad, der von tiefenSchluchten durchschnitten war, welches uns nöthigte,abzusteigen, und unsere Pferde am Zügel zu führen.Beym Aufgange der Sonne waren wir unten. FeurigeWolken verhüllten den Gipfel, den wir so eben ver-lassen hatten, und der Berg, wo der sanfteste allerLehrer seinen Schülern das Gesetz der Liebe gepredigthatte, bot uns gewissermaßen das Bild jenes Bergesdar, wo mehr als fünfzehn Jahrhunderte vorher untereinem flammenden Himmel und- unter Donner undBlitzen das Gesetz der Furcht gegeben worden war.
Das Land, durch welches wir zogen, zeichnete sichdurch Fruchtbarkeit aus. Allenthalben war die Erdemit Pflanzen und das Gefilde mit reicher Acrnte bedeckt.
Um 7 Uhr Morgens kamen wir nach Kana. Schonwar die Sonnenhitze außerordentlich und die Beschwerdeniederdrückend. Wir lagerten uns in einem Obstgarten,welcher zahlreiche Fruchtbäume und unter andern Apri-kosenbäume trug. Unsere Araber schüttelten diese, undbrachten uns die abgefallenen Früchte. Müde, vonbrennendem Durste gequält, aßen wir sie ohne Bedenken,indem wir uns an die Apostel erinnerten, die sich eben-falls kein Bedenken daraus machttn, als sie hungrigwaren, am Sabbate auf einem Getreidefclde Kornährenabzureißen.
Kana, ungefähr zwcy Stunden von Nazareth,liegt an dem AbHange eines kleinen Hügels. Es warsonst eine der schönen Städte Galiläas; gegenwärtig