200
auch auf der Stelle that. Ich trank nach ihm, undglaubte der Frau aus Erkenntlichkeit ein Stück Geldgeben zu müssen. Sie nahm es aber durchaus nichtan, und nach den Geberden zu urtheilen, mit welchensie an ihre Nachbarinnen einige Worte richtete, schiensie sogar beleidigt zu seyn. Ich war um so mehrdarüber erstaunt, da es das erstemal war, daß mir einePerson von arabischem Stamme so etwas abschlug.Ich bewunderte anfangs dieses Benehmen, und äußertemich gegen den guten Bater über die Zartheit desselben,indem ich nicht zweifelte, die Frau beklage sich darüber,daß ich sie für fähig hielt, sich einige Tropfen Wasserbezahlen zu lassen. Ihr fortwährendes Murren aberund vor allem die Höflichkeit, mit der ich ihr mein An-erbieten gemacht hatte, schienen es zu entschuldigen, daßich nun bestimmt wissen wollte, was ich von ihren ineinem so lebhaften Tone ausgesprochenen Worten zuhalten hätte. Wir riefen einen Dolmetscher herbey,und erfuhren, daß sie, nicht daran gewohnt, sür einensolchen Dienst Geld zu erhalten, sich eingebildet habe,ich wollte ihr mit meinem Geldstücke ihren Krug abkau-fen, den sie weit höher schätzte. Als sie erfuhr, daßich keine andere Absicht gehabt habe, als ihr ein Ge-schenk zu machen, verwandelte sich ihr Zorn in Dank-sagungen.
Am folgenden Tage machte ich den nämlichen Spa-ziergang, und eine Jede wetteiferte mir ihren Krug an-zubieten; man begriff aber aus meinen Zeichen, daßich nicht durstig sep.