Iis
brach ein heftiges Geschrey, welches aus der Nahe derKirche kam, plötzlich die Gebete; der Tumult wuchsimmer mehr, und wir erkannten bald die Ursache dessel-ben. Es war ncmlich zwischen den Armeniern und denGriechen ein heftiger Streit entstanden. Des Wartensüberdrüssig verlangten die einen sowohl als die andernmit einer Art von Wuth, daß man ihnen endlich dieThüre öffne, und sich stoßend, drängend und schreyendbemühten sie sich gegenseitig, die Gegner bey Seite zuschaffen, um zuerst hinein zu kommen. Einige Minutennachher hörten wir nicht ohne Schrecken, daß Gewaltoder Vcrrath die Thüre geöffnet habe, und wie einStrom, der seinen Damm durchbrochen hat, stürztedie Menge von allen Seiten hinein. »Großer Gott!das heilige Sakrament!« schrie nun Pater Perpetuus,der Sekretär des Klosters vom heiligen Lande, der sichmir zur Seite befand. Bey diesen Worten springe ichvom Kalvarienberge herunter, dränge mich mit vielerMühe durch den Strom der Menge, und stürze in daSheilige Grab, entschlossen, hier eher das Leben aufzu-opfern, als eine gotteslästerliche Entweihung zu dulden.Ich befand mich allein daselbst; glücklicherweise gelanges der türkischen Wache, die Widerspenstigen zurückzu-halten, und durch ihren kräftigen Widerstand gewannman Zeit, die heiligen Ceremonien zu beendigen. Dasallerheiligste Sakrament ward in Prozession in dieKirche der Väter Franziskaner zurückgetragen, und dieheiligen Orte wurden den Griechen nicht eher über-lassen, als bis sich alle Katholiken zurückbegeben hatten.