es
ohne mich daran zu erinnern, daß auch ich ein reicherMann gewesen bin, ohne den Mißbrauch zu beseufzen,den ich so lange Zeit hindurch von den Rcichthümerngemacht habe, welche die Vorsehung als eine Hilfs-quelle für die Armen und als ein Mittel des Heilesfür mich in meine Hände gelegt hatte. Allein da ichnicht genug über die Lehren nachdachte, welche die Er-zählung Jesu enthält, so habe ich auchnicmals eingesehen,daß sie nur eine Lehre sey, durch welche der gütigeHeiland dem reichen Menschen christliche Liebe gegenden Unglücklichen, dem Unglücklichen aber Geduld undErgebung, und auf das himmlische Glück hinzublickenempfiehlt, welches der Lohn derselben sepn wird; undich fand in dieser Lehre setzt nur zu viele Gründe zuSchmerz und Neue.
Eines Abends indessen, nachdem ich den Kreuzwegbegangen und wie gewöhnlich vor dem Orte verweilthatte, wo sich Lazarus aufhielt, durchforschte ich mit Nach-denken und Ernst mein Inneres, und dachte über meinvergangenes Leben nach. Masstllon lag auf meinemTische; ich öffnete ihn, und urtheilen Sie, lieber Freund!um wie viel bitterer meine Gedanken sepn mußten, daich folgende Worte des Dieners Jesu Christi las, wel-che er an die Reichen der Welt richtet:
»Als Abraham aus der Höhe seines himmlischenAufenthalts dem bösen Neichen die Ursache seiner Ver-dammniß bekannt machte, sagte er ihm nicht, wasJesus an jenem großen Tage zu den Verworfenen sagenwird: Lazarus war nackt, und ihr habt ihn nicht ge-