Druckschrift 
Theil 2 (1837)
Entstehung
Seite
19
Einzelbild herunterladen
 

19

Wir befanden uns wohl keine Stunde auf demWege, als wir bemerkten, daß oer Araber, welcherdas mit den Vorrathen beladcne Pferd führte, uns aufarge Weise bestehle. Alles, was ihm in die Händesiel, ging in seinen Mund oder in seine Taschen. Steh-len ist ein Vergnügen für einen Araber. Wir wiesenihm nun seinen Platz in der Mitte an, und ließen ihnsorgfältig bewachen; denn während der Reise wäre esunmöglich gewesen, uns Lebensmittel und besondersWrod zu verschaffen.

Seitdem wir Jerusalem verlassen hatten, zogen wirbeständig zwischen unfruchtbaren, grauen Bergen, ohneBaum und ohne Schatten hin; nur am Fuße einigerderselben bemerkten wir hie und da wenige Strecken,die mit Mohn und gelben Maßlieben bedeckt waren.Ich sah oft, wie unsere Araber, wenn wir bcy Gesträu-chen vorüber kamen, sich einiger Wurzeln bemächtigtenund sie gierig aufzehrten. Dieß schnitt mir ins Herz;ich wandte das Gesicht ab, und dachte an die ver-schwenderischen Gastmale, die ich zu andern Zeiten,peinlichen Andenkens, gegeben habe, Mahle, derenKosten das Glück so vieler Unglücklichen hätte machenkönnen.

Je weiter wir kamen, desto schrecklicher wurden dieWege; überall Steine, tiefe Gräben zu übersetzen, un-fruchtbare und wilde Berge, Felsen von beyden Seiten,schreckliche Abgründe, in die uns ein einziger Fehltrittunserer Pferde hinabgestürzt hätte. Die Hitze waraußerordentlich, so glühend, daß nach Verlauf einer