Man sieht, wie sehr Jnnoccntius die Selbstständigkeit derSpanischen Kirche, die Rechte ihrer Synoden achtete, wie erAlles ihrem Urtheile, ihrer Entscheidung anheimstellte und sichin keinem Falle eine eigene Jurisdiction über Spanische Ange-legenheiten anmaßte. Er mahnt nur, daß die einheimischen Kir-chenbehörden die ihnen anvertraute Gewalt nach den Canoncszum Heile der Kirche gebrauchen sollen.
Von Jnnoccntius Briefe an verfließen über 4N Jahre,während welcher die Spanische Kirche außer allem Verkehre mitRom ist. Der Grund davon mag zum großen Theile wohlin der Gotbischen, Vandalischen und Suevischen Occupation lie-gen, die das Land mit allen Schrecknissen barbarischer Verwü-stungen erfüllte und die Gcmuther von der Sorge und Aufmerk-samkeit für kirchliche Dinge ganz zu der Roth und dem Jammerdes Lebens hinwendete, dem sie fast erlagen. In dieser Zeitwar die Verbindung zwischen den einzelnen Kirchen zerrissen;es konnten keine Synoden sich versammle»,^) noch wenigerkonnte Verkehr mit Rom gepflogen werden, von dem währendder Pontisicate des Zosimus, Bonifatius, Eoelestinus und Ty-stus 2°) nicht eine Spur zu entdecken ist. Jenen heimischen Zer-rüttungen mochte es auch zuzuschreiben sein, daß die SpanischeKirche das Concil von Ephesus nicht beschickte, obwohl die Afri-kaner dies thaten.
Hier tritt jedoch eine sehr bcmerkenswcrthc Thatsache hervor.Als nämlich von des Nestorius Irrlehre eine Kunde nachSpanien erscholl und die Gemukher durch dieselbe beunruhigtwurden, da suchte die Spanische Kirche Auskunft undBelehrung nicht bei dem Bischofe Coelestin vonRom,sondern bei dem Bischöfe Ca preolus von Ca rthago.
34) Man kann sich hiervon leicht aus den Annalen des Baroninsüberzeugen.
35) Die als »i-aclarensis I. a. 4ll aufgeführte Synode ist nach demUrtheile Aller unecht, enthält aber auch, nichts, was unfern Ge-genstand auch nur von weitem berührte.
36) von 4t6 bis 440.
37) Man sieht hieraus, daß die Spanische Kirche die schon zu Cy-prians Zeiten an den Tag gelegte Borliebe und Hochachtung ge-