1V Einleitung.
Sinnbilder und Zeichen der Hohenpriesterwürde von Jemanden annahm,noch auch von priestcrlichem Geschlecht dem Körper nach abstammte, nochsich durch eine Leibwache auf den Thron erhob, noch ein Prophet gleich denPropheten des AlterthumS, noch überhaupt irgend einer Würde oder einer Be-vorzugung von Seiten der Juden theilhaftig geworden war, dennoch abervon dem Vater zwar nicht mit sinnlichen Zeichen, aber mit der vollenWahrheit selbst ausgerüstet worden war. Ungeachtet er nun nicht gleicherVorzüge, wie die Genannten, theilhaftig wurde, so ist er doch in weithöherem Maße, als sie alle, Christus genannt worden. Er hat als dereinzige und wahre Christus Gottes die ganze Welt mit dem wahrhaft ehr-würdigen und heiligen Namen der Christen erfüllt und seinen Anbeternnicht mehr Typen und Bilder, sondern die unverhüllten Tugenden und einhimmlijches Leben durch die Lehren der Wahrheit selbst gegeben. DaSSalböl aber war nicht das aus irdischen Stoffen bereitete, sondern er em-pfing das göttliche durch den Geist Gottes selbst vermittelst Theilnehmungan der ungezeugten Gottheit des Vaters. Dieß bezeugt auch Jesaias, wenner in der Person Christi selbst sich also äußert:(l) „Der Geist des Herrn„ist über mir, darum hat er mich gesalbt. Er hat mich gesandt, den„Armen frohe Botschaft zu bringen szu heilen diejenigen, welche zerbrochenen„Herzens sind^Z, den Gefangenen Loslassung und den Blinden Widererlangung„des Gesichts zu verkündigen." Jndeß nicht allein Jesaias sagt dieß, son-dern auch David, wenn er ihn also anredet: (2) „Dein Thron, o Gott, steht„von Ewigkeit zu Ewigkeit. Das Scepter deines Reichs ist ein Scepter„des Rechts. Du liebst Gerechtigkeit und hassest Ungerechtigkeit. Darum„hat dich Gott, dein Gott, gesalbt mit dem Oel der Freude mehr als deine„Genossen." Hier nennt ihn die Schrift im ersten Verse Gott; im zweitenbeehrt sie ihn mit einem königlichen Scepter, hierauf nach seiner göttlichenund königlichen Macht erklärt sie drittens, daß er Christus geworden sey,gesalbt nicht mit einem Oele aus irdischen Stoffen, sondern mit dem göttli-chen Oele der Freude. Hiedurch zeigt sie auch den Unterschied und seinengroßen Vorzug vor denen an, welche ehemals körperlich zum Vorbilde gesalbtwurden. An einer andern Stelle (Z) spricht derselbe David also von ihm:„Der Herr sagte zu meinem Herrn: setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine„Feinde zum Schemel meiner Füße mache." Sodann: „Vor dem Morgen-„stern habe ich dich gezeugt. Der Herr hat geschworen und es wird ihn„nicht gereuen. Du bist ein Priester in Ewigkeit nach der Ordnung Mel-„chisedek." Dieser Melchisedek erscheint in der heiligen Schrift als einPriester des höchsten Gottes, der nicht durch gewisses dazu bereitetes Salböldazu gemacht worden, noch durch Erbfolge zu dem Priesterthum bei denHebräern gelangt war. Unser Erlöser wurde deßwegen nach seiner Art,nicht nach der Art der andern, welche Zeichen und Typen bekamen, zum
(1) Jes. 61 „ 1. 2.12) Psalm 45, 7. 8.(3) Psalm 110, 1. Z. 4.