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3 (1925) Die merowingische und karolingische Zeit : 1. Teil: Siedelungsgeschichte
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die zerstreute Siedelungsweise noch mehr, so daß ihre Kraft und Zahlnicht ausreichte, die vorübergehend nördlich des Mains und der Nahebesetzten Landstriche dauernd gegen Chatten, Thüringer und ripuarischeFranken zu behaupten. Auch in der Rheinpfalz, im Elsaß und in derNordschweiz konnten sie nur insoweit festeren Fuß fassen, als sie durchihren rechtsrheinischen Besitz kräftigen Rückhalt hatten. Innerhalbdieses immerhin beträchtlichen Landkomplexes von der Jller bis zu denVogesen, vom Alpenkamm bis zum Main, ein Gebiet, welches an derDonau und am Bodensee, im Neckarland und in der oberrheinischen Tief-ebene die fruchtbarsten Ackerfluren Deutschlands und vortrefflicheWeidebezirke in den Gebirgen umschließt, konnte sich das alamannischeVolk nunmehr für längere Zeit, im Kernland sogar jahrhundertelangfast ungestört entwickeln, bis zum großen Frankensieg, zum Teil aberauch noch über diesen hinaus, da die Frankeuherrschaft südlich derGrenzlinie des VI. Jahrh., von der Hornisgrinde bis zum Hesselberg,außer im Elsaß nur in bescheidenem Maße kolonisatorisch eingriff. DieAlamannen haben diesem Gebiete ihr eigenes Gepräge nach Wolmweise,Sitte und Sprache aufgedrückt, bis auf den heutigen Tag, wenn ihnenauch die politische Oberherrschaft infolge mangelnder Organisation ver-sagt blieb.

Die Grenzen des Alamannenlandes schwankten zu den verschiedenenZeiten und harren noch der schärferen Ermittelung durch Gräberfundeund Ortsnamenkunde. Wenn es auch noch nicht möglich ist, in allenFällen alamannische und fränkische Gräberinventare mit Bestimmtheit zuunterscheiden, so bieten doch Grabsitten und die keramischen Beigabenhäufig genug ausreichende Anhaltspunkte zur Ergänzung der literarischenÜberlieferung. Sie bestätigen vor allem das frühe Auftreten der Ala-mannen in der Bodenseegegend und das starke Hervortreten der Len-tienser, andererseits bezeugen sie die geschlossene Besetzung des El-sasses wie der Nordschweiz erst um die Mitte des V. Jahrh. und dasfrühe Zurückweichen im nördlichen Rheinhessen und Nahetal. So wenigwie die Erforschung des Bodens ist die der Ortsnamen für diese Fragenbis jetzt genügend ausgeschöpft. Die früher herrschende Annahme, daßdie —ingen-Orte alamannisch, die —heim-Orte fränkisch seien, ist zwarunrichtig, da im IV.—VI. Jahrh. auch ripuarische, langobardische uhdandere Stämme sich der ingen-Endung bedienten, indessen kann kaumein Zweifel darüber obwalten, daß die Masse der —ingen-Orte Südwest-Deutschlands auf die Alamannen zurückgeht und daß die älteren —lieim-Griindungen daselbst fränkisch sind, während die jüngeren von Frankenwie Alamannen herstammen können. Nur durch Kombination siedelungs-geschichtlicher und sprachlicher Momente läßt sich im einzelnen eine ge-wisse Sicherheit erreichen. So dürfen wir in den —ingen-Orteu zwischenNeckar und Main mit großer Wahrscheinlichkeit Überreste der zurück-